959xx Die Luftschiffahrt.
auf und baute mit Hilfe des Kriegsministeriums ein neues Aluminiumluftschiff von 41 m
Länge, 13,5 m Durchmesser und 3250 cbm Inhalt, das aber bei seinem ersten Aufstieg
am 3. November 1897 durch den zu kräftigen Wind zum Scheitern gebracht und vollständig
zertrümmert wurde.
Gleichzeitig mit Schwarz arbeitete jedoch in gleicher Richtung der Mann, der dem
großen Gedanken der lenkbaren Luftschiffe schließlich als erster zum Siege verhalf, der
General der Kavallerie Graf Ferdinand v. Zeppelin, der sich etwa seit 1892 mit dem
Problem beschäftigte. Er wollte ebenfalls ein gewaltiges Luftschiff aus Aluminium herstellen
(„starres System"), doch wurden seine Ideen von einer militärischen Prüfungskommission
und im Verein deutscher Ingenieure äußerst ungünstig beurteilt und als phantastische Torheit
belächelt. Zeppelin aber ließ sich nicht beirren und baute, zumeist aus eignen Mitteln, das
erste seiner riesenhaften, heute jedem Kinde wohlbekannten Luftschiffe. Am 2. Juli 1900
unternahm das 128 m lange und 11300 cbm fassende Fahrzeug auf dem Bodensee bei
Friedrichshafen einen ersten Aufstieg von 17, am
17. Oktober einen zweiten von 80 Minuten Dauer,
wobei geschlossene Kurven beschrieben wurden. Seit
wärts vom Luftschiff waren Luftschrauben ange
bracht, die durch zwei Daimlermotoren von 11,5 PS
in Bewegung gesetzt wurden. — Mit einem neuen
Luftschiff von gleichen Abmessungen, das aber be
deutend kräftigere Motoren (35 PS) besaß, wurde
dann erst am 17. Januar 1906 der Aufstieg wieder
holt, der jedoch unglücklich endete, da das von stür
mischem Wind abgetriebene Luftschiff an ungeschütz
ter Stelle landen mußte, wo es in der Nacht vom
Sturm völlig zerstört wurde. Schon am 9. Oktober
1906 konnte aber ein drittes Luftschiff, das genau
nach dem Muster des vernichteten gebaut war, einen
abermaligen erfolgreichen Aufstieg wagen, und es
zeigte sich, daß das Fahrzeug durchaus sicher fahren
konnte und die beträchtliche Eigengeschwindigkeit
von 15 m in der Sekunde entfaltete. — Nun ver
stummten die Zweifel allmählich; das Reich baute
dem Grafen eine schwimmende Ballonhalle auf dem
Bodensee, und nach Vornahme einiger Verbesse
rungen tvar das Luftschiff am 30. September 1907
imstande, eine glückliche Fahrt von sieben Stunden Dauer zu unternehmen. Zeppelin baute nun
mehr ein viertes, noch größeres Luftschiff (136 in lang, 13 m Durchmesser, 15000 cbm In
halt), daS nach einer kleinen Probefahrt (20. Juni 1908) plötzlich am 1. Juli 1908 ganz
unvermutet eine sensationelle Reise vom Bodensee bis nach Luzern und wieder zurück un
ternahm, die durch Täler und über Berge, zuweilen gegen einen recht kräftigen Gegenwind,
mit glücklichstem Erfolg vonstattcn ging und Zeppelins Triumph entschied. Ter greise
Graf, der eben in jenen denkwürdigen Tagen, am 8. Juli, seinen 70. Geburtstag feierte,
erbot sich nun zu einer 24stündige» Versuchsfahrt, deren Erfolg über den Ankauf des
Luftschiffs durch das Deutsche Reich entscheiden sollte. Diese berühmteste aller Luftfahrten
neuer Zeit ging unter der fieberhaften Spannung des ganzen deutschen Volkes, ja, unter
Anteilnahme der ganzen Welt, am 4. und 5. August 1908 vonstatten: in stolzem Flug
legte das Fahrzeug unter unbeschreiblichem Jubel der durchflogenen Ortschaften die in
Aussicht genommene Strecke rheinabwärts vom Bodensee bis nach Mainz zurück, um dann
aber auf dem Rückwege, als es in Württemberg bei Echterdingen eine Zwischenlandung
vorgenommen hatte, vom Wirbelwind erfaßt, durch atmosphärische Elektrizität in Brand
gesteckt und völlig zerstört zu werden. Den furchtbaren Schlag verwandelte die Opfer
freudigkeit des deutschen Volkes in den stolzesten Triumph: nach wenig Wochen konnte
856. Gros von Zeppelin.