Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

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Berger  &  Wirth,  Farbenfabriken,  Leipzig.
Für  die  Arbeiter  der  Firma  sind  folgende  Wohlfahrtseinrichtungen  getroffen  worden,
die  denselben  nicht  nur  wesentliche  geldliche  Vorteile  verschaffen,  sondern  auch  in  gesundheitlicher ­
  Hinsicht  gute  Erfolge  gezeitigt  haben.
In  einem  von  den  Betriebsräumen  getrennt  liegenden  Gebäude  sind
eine  Kantine  mit  Speisesaal,
eine  Garderobe  und
eine  Badeanstalt
untergebracht.
KANTINE.  In  der  Kantine,  die  mit  dem  Speisesaale  in  Verbindung  steht,  gelangen
einfache  Eßwaren,  Bier  und  Kaffee  zur  Ausgabe.
Der  aus  dem  Verkauf  dieser  Nahrungsmittel  erzielte  Überschuß  wird  der  Unterstützungskasse ­
  der  Firma  Berger  &  Wirth  zugeführt.
GARDEROBE.  An  den  Speiseraum  schließt  sich  eine  Garderobe  an,  die  derart  eingerichtet ­
  ist,  daß  jedem  Arbeiter  zwei  Schränke  zur  Verfügung  stehen,  der  eine  für  die
Arbeitskleider,  der  andere  für  die  Straßenkleider.
BADERAUM.  Mit  der  Garderobe  in  Verbindung  steht  der  Baderaum.  In  demselben
sind  emaillierte  Badewannen  aufgestellt,  an  deren  jeder  eine  Leitung  für  kaltes  und  warmes
Wasser  angebracht  ist,  ebenso  befindet  sich  über  jeder  Wanne  eine  Dusche  für  kaltes  und
warmes  Wasser.  Außerdem  sind  im  Baderaum  noch  eine  größere  Anzahl  von  Duschen
und  Waschgefäßen  aufgestellt.  Die  Bäder  und  Duschen  werden  von  den  Arbeitern  gern
benutzt,  und  zwar  derart,  daß  jeder  Arbeiter  in  der  Woche  mindestens  ein  Vollbad  zu  nehmen
hat.  Das  Baden  der  Arbeiter  findet  während  der  Arbeitszeit  statt  und  ist  durch  eine  eigens
hierzu  erlassene  Badeordnung  genau  geregelt.  Die  Aufsicht  in  dem  Baderaum  führt  ein
besonders  hierzu  angestellter  Bademeister.
Alle  Arbeiter  der  Firma  erhalten  vollständige  Arbeitsanzüge,  die  wöchentlich  in  einer
eigens  hierzu  eingerichteten  Dampfwäscherei,  in  welcher  eine  Fischersche  Waschtrommel ­
  aufgestellt  ist,  gewaschen  und  mittels  einer  Zentrifuge  trocken  geschleudert  und
mit  einer  Rolle  geglättet  werden.
FERIENGESCHENK.  Während  des  Sommers  bekommen  alle  diejenigen  Arbeiter,
die  über  2  Jahre  bei  der  Firma  beschäftigt  sind,  Urlaub  und  ein  Feriengeschenk,  das  sich
nach  den  Dienstjahren  richtet.
BETRIEBSKRANKENKASSE.  Im  Jahre  1905  gründete  die  Firma  eine  eigene  Betriebskrankenkasse, ­
  die  schon  nach  dem  ersten  Jahre  ihres  Bestehens  einen  wesentlichen
Überschuß  erzielte,  der  dem  bei  der  Gründung  von  seiten  der  Firma  gestifteten  Reservefonds ­
  zugeführt  wurde.  Ebenso  waren  in  den  folgenden  Jahren  weitere  Überschüsse  zu  verzeichnen, ­
  wodurch  es  möglich  wurde,  die  Unterstützungen  seitens  der  Krankenkasse  nicht
nur  auf  die  Arbeiter  selbst,  sondern  auch  auf  deren  Familienangehörige  auszudehnen.
UNTERSTÜTZUNGSKASSE.  Zur  weiteren  Unterstützung  der  Beamten  und  Arbeiter
ist  eine  Unterstützungskasse  errichtet  worden.  Das  Grundkapital  zu  dieser  Unterstützungskasse ­
  wurde  seitens  der  Inhaber  der  Firma  gestiftet  und  durch  weitere  Stiftungen  vermehrt. ­
  So  wendete  z.  B.  am  11.  Januar  1912  der  jetzige  Inhaber  der  Firma,  Herr  Worlitzer,
  bei  seinem  25  jährigen  Geschäftsjubiläum  derselben  25  000  M.  zu.  Außerdem  fließen
in  die  Unterstützungskasse  noch  der  Reinertrag  aus  der  Kantine  und  andere  kleinere  Beträge, ­
  so  daß  auch  hier  jedes  Jahr  eine  wesentliche  Summe  zur  Unterstützung  der  Beamten ­
  und  Arbeiter  und  deren  Familienangehörigen  zur  Verfügung  steht.
            
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