Full text: Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

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E. Merck, chemische Fabrik, Darmstadt. 
Die Mercksche Fabrik ist eine der ältesten chemischen Fabriken Deutschlands. Sie 
ging aus der im Jahre 1654 errichteten Engel - Apotheke in Darmstadt hervor, die 1668 
von dem Apotheker Friedrich Jakob Merck aus Schweinfurt erworben wurde und seitdem 
ununterbrochen in dem Besitze der Familie Merck geblieben ist. Die Fabrikgründung 
durch Heinrich Emanuel Merck fällt in das Jahr 1827. 
An der bedeutenden industriellen Entwicklung in der zweiten Hälfte und besonders 
zu Ende des vorigen Jahrhunderts nahm auch die Mercksche Fabrik teil. Während sie beim 
Tode des Gründers im Jahre 1855 noch 60 Angestellte zählte, betrug die Zahl ihrer Beamten 
und Arbeiter im Jahre 1900 bereits 1000. Heute beschäftigt die Firma nahezu 2000 Personen, 
darunter über 400 Beamte. Sie hat ihre'Handelsbeziehungen inzwischen über die ganze 
Erde ausgedehnt und in außerdeutschen und überseeischen Ländern Zweighäuser und 
Niederlagen errichtet. 
In den Jahren 1902 bis 1904 wurden die Fabrikbetriebe, die damals eine Bodenfläche 
von ca. 8000 qm bedeckten, in die zwischen Darmstadt und Arheilgen neuerbaute Fabrik 
verlegt und mit den bis dahin getrennt untergebrachten Kontoren und Magazinen vereinigt. 
Die neuen Anlagen mit über 200 Einzelgebäuden erstrecken sich über ein Gelände von mehr 
als 300 000 qm. 
Zurzeit liegt die Leitung des Unternehmens in den Händen des Geh. Kommerzienrats 
Dr. phil., Dr. med. h. c. et Dr. ing. h. c. Louis Merck, des Medizinalrats Dr. phil. Em. Aug. 
Merck und des Dr. phil. et Dr. med. h. c. Wilhelm E. Merck. 
Gleich anderen industriellen Betrieben hat die Firma E. Merck aus eigenen Mitteln 
und Stiftungen der Firmenteilhaber Einrichtungen zum Wohle ihrer Angestellten geschaffen, 
die über die gesetzlich vorgeschriebenen Aufwendungen hinausgehen und vornehmlich da in 
Kraft treten, wo die Leistungen staatlicher Einrichtungen aufhören oder unzureichend sind; 
in erster Linie also auf dem Gebiete der Kranken- und Altersfürsorge. 
BETRIEBSKRANKENKASSE. Alle nach dem Krankenversicherungsgesetz versiche 
rungspflichtigen Angestellten sind bei der Betriebskrankenkasse der Firma versichert. Die 
Kasse gewährt ihren Mitgliedern weitgehendere Leistungen als gesetzlich gefordert werden, 
indem sie allen erwerbsunfähigen Angehörigen (Ehefrauen, Kindern, Eltern, Schwieger 
eltern, Geschwistern), sofern das Kassenmitglied als deren alleiniger Ernährer in Betracht 
kommt, volle Krankenunterstützung auf die Dauer von 13 Wochen zuteil werden läßt. Da 
durch sind sehr erhebliche Mehraufwendungen der Kasse gegenüber anderen Krankenkassen 
bedingt, wie aus der folgenden nach Mitteilungen des statistischen Amts bearbeiteten 
Übersicht hervorgeht. 
Beiträge und Leistungen pro Kopf der Mitglieder: 
Beiträge 
Für ärztl. 
Behandlg. 
Arznei- 
und 
Heilmittel 
Kranken 
gelder 
Kur- und 
Verpflg. 
Summe 
in Proz. der 
Mitglieder- 
Beiträge 
M. 
M. 
M. 
M. 
M. 
M. 
M. 
Ortskr.-K. i. deutsch.Reich 
19,08 
5,44 
3,69 
10,41 
3,64 
23,18 
121 
Ortskr.-K. i. Gr. Hessen . 
21,89 
6,01 
3U9 
I3,H 
3,35 
25,66 
117 
Betr.-Kr.-K. i. dtsch. Reich 
2i,53 
7,88 
4,81 
13,42 
3,50 
29,61 
137 
Betr.-Kr.-K. i. Gr. Hessen 
21,91 
8,99 
4,76 
14,86 
2,66 
3U27 
I42 
E. Merck 
25,75 
9,93 
10,70 
16,— 
2,56 
39U9 
I42 
Pro Erkrankungstag verausgabte die Merck sehe Betriebskrankenkasse im J ahre 1911 
3,90 M. gegen 3,10 M. aller Kassen im deutschen Reiche. Die Gesamtausgaben der Kasse 
beliefen sich im Jahre 1908 auf 49 874,63 M. im Jahre 1910 auf 54 119,69 M. 
„ >, I 9°9 ,, 55 794,37,, „ „ U“ „ 60218,76,,
	        
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