22 Allgemeines und Spezielles über Entwicklung und Stand der Wohlfahrtspflege.
heim „Hubertushöhe“ errichtet. — Das Ferienheim Lückendorf der Firma Körting &
Mathiesen in Leutzsch b. Leipzig, das aus den Mitteln des „Fonds für Wohlfahrts
zwecke“ (550000 M. Vermögen) mit 150000 M. errichtet ist, kann in seiner äußeren und
inneren Einrichtung als eine Musteranstalt gelten. Die Firma G. J. H. Siemers & Co.,
Reederei u. Bankgeschäft, Hamburg besitzt eine bereits 1895 vom Inhaber Edmund
J. A. Siemers errichtete Heilstätte in Geesthacht, deren 350 Betten den Angestellten und
deren Familienangehörigen kostenfrei zur Verfügung stehen. — Die Firma Breuninger,
Stuttgart besitzt ein Erholungsheim „Hohen-Rodt“ für 100 Personen. Das Seidenhaus
Michels & Cie., Berlin, Crefeld u. Nowawes bietet allen weiblichen Angestellten freien
Ferienaufenthalt im Ferienheim zu Mellen (Meckl.). — Die Wilhelma, Allg. Versiche-
rungs-A.-G. in Magdeburg hat in Verbindung mit der Magdeburger Hagelver
sicherungsgesellschaft für die Beamten beider Gesellschaften ein splendid ausgestattetes
Erholungsheim (Kalkowheim) in Harz bürg errichtet. — Das Heilverfahren für erkrankte Be
amte und deren Frauen und Kinder, sowie für Arbeiter und Angehörige wird auch oft durch
Überweisung an anderweite Heilstätten, Hospize und Bäder oder durch Gewährung von Mitteln
für Aufenthaltskuren auf dem Lande oder an der See ausgeführt. Bei den Farbenfabriken
vorm. Friedr. Bayer & Co. in Leverkusen bestehen nach dieser Richtung hin ge
sonderte Stiftungen für Beamte und Arbeiter. Außerdem besteht bei dieser Firma das durch
die v. Böttinger-Stiftung begründete Erholungs- und Rekonvaleszentenheim, das Platz
zur Aufnahme von 50 Personen bietet. -— Besondere Anerkennung verdienen die von
vielen Fabrikfirmen für die Lungenfürsorge ihrer Arbeiter und deren Angehörige auf
gewendeten Mittel. Es ist hier am Platze, darauf hinzuweisen, welche Liebe und Hingabe
oft gerade diesem Wohlfahrtszweige zugewendet wird. So suchte der Begründer der
Messingwerke Basse & Selve in Altena (Westfalen), Gustav Selve, die in seinen
Arbeitsstätten mit ihm Arbeitenden nicht von sich abzuschütteln, wenn ihr Gesundheits
zustand schwankend wurde, sondern er suchte für sie Heilung und Besserung zu er
zielen, und er beschäftigte auch die invalid bleibenden mit entsprechend leichteren Arbeiten.
Sein und seiner Witwe Vermächtnisse und Stiftungen haben, gestützt auf die gleiche Ge
sinnung der gegenwärtigen Firmeninhaber, dafür gesorgt, daß auch für Gegenwart und
Zukunft derselbe menschenfreundliche Geist über den ausgedehnten Werken waltet!
In ganz besonders durchgreifender Weise hat nun Gustav Selve für die lungenkranken
Arbeiter seiner Firma und für deren lungenkranke Angehörigen durch Erbauung von be
sonderen Wohnhäusern, den sogenannten Lungenkrankenhäusern, gesorgt. Von der
Erkenntnis ausgehend, daß ein sehr wesentliches Mittel zur Bekämpfung der Krankheit
in der möglichst strengen Isolierung der Kranken, besonders derjenigen im vorgerückten
Stadium zu suchen ist, war Selve seit Jahren bestrebt, solchen Kranken unter seinen Ar
beitern oder deren Familiengliedern, die die Familie nicht verlassen wollten, ein besonders
großes, luftiges Zimmer — von den anderen Räumen getrennt — in eigens dazu gebauten,
fern vom Fabriklärm, alleinstehend am Walde und in möglichst sonniger Lage belegenen
Häusern zu überweisen. Es sind nach der zum 50 jährigen Jubiläum der Firma 1911 heraus
gegebenen Festschrift bisher sechs einstöckige Häuser für je eine und drei zweistöckige
Doppelhäuser für je vier Familien mit lungenkranken Familienvätern errichtet. Die innere
Einrichtung der Lungenkrankenhäuser entspricht allen neuesten hygienischen Anforde
rungen. Die Familie des Erkrankten wird bis zur Wiederherstellung des Ernährers aus
dem Unterstützungsfonds unterstützt. Die Erfolge sind ausgezeichnet, namentlich auch
in bezug auf die durch diese Einrichtungen erzielten Einwirkungen auf die Gesundheits
pflege der übrigen Arbeiterschaft.
Die Gruppe 9 faßt die auf
GESUNDHEITSPFLEGE, SPORT UND SPIEL, FERIEN UND URLAUBE gerichteten
Aufwendungen in der Wohlfahrtspflege zusammen. Es ist selbstverständlich, daß die
bezüglichen Beträge nicht genau auseinander zu halten sind, und daß demzufolge in dieser