Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Allgemeines  und  Spezielles  über  Entwicklung  und  Stand  der  Wohlfahrtspflege.  23
Gruppe  auch  Beiträge  für  Kinderfürsorge  (Gruppe  6)  und  für  die  vorauf  gegangene  Gruppe
Kranken-  und  Genesenenfürsorge  mit  enthalten  sind.
Erheblichere  gleichmäßigere  Zuwendungen  für  Gesundheitspflege  setzen  erst  mit
dem  Jahre  1897  mit  einem  Betrage  von  585  000  M.  ein,  vorher  sind  nur  Angaben  mehr
zufälliger  Art  ermittelt  worden,  so  daß  z.  B.  für  das  Jahr  1896  für  diese  Rubrik  gar  nichts
gefunden  worden  ist.  Das  Jahr  1912  weist  für  Gruppe  9  eine  Summe  von  4  686  426  M.  auf,
der  Gesamtbetrag  für  den  Zeitraum  1883—1912  ist  mit  34  464  621  M.  fixiert.  Für  die
letzten  Jahre,  etwa  von  1900  ab,  sind  in  diese  Gruppe  mehrfach  hohe  Stiftungen  für
städtische  Volksbäder  gefallen,  deren  Benutzung  in  erster  Linie  den  weniger  bemittelten
Volksklassen  freigestellt  ist.
Unter  den  Fabrikfirmen  sind  es  wiederum  die  Farbwerke  vorm.  Friedr.  Bayer  &
Co.  in  Leverkusen,  die  auch  für  die  Gesundheitspflege  besonders  durchdachte  Einrichtungen ­
  geschaffen  haben.  Während  Badeeinri  chtungen  fast  bei  allen  im  speziellen  Teil
auftretenden  Firmen  Vorkommen  (bei  der  Firma  H.  W.  Appel,  Hannover  wird  die  Badezeit
als  Arbeitszeit  bezahlt),  beschränken  sich  die  Farbenfabriken  vorm.  Bayer  &  Co.  nicht  auf
diese,  sondern  sie  haben  noch  eine  Reihe  andere  Gesundheitspflegeeinrichtungen  getroffen.
Kurz  auf  geführt  waren  hier  im  Jahre  1911  die  Einrichtungen  für  die  Gesundheitspflege
folgende:
80  Aufenthaltsräume  mit  Umkleideräume  und
I 355  Waschgelegenheiten,  alles  nach  hygienischen  Grundsätzen  ausgeführt;
640  Zellen  für  Wannen-  und  Brausebäder,  Gesamtkosten  für  diese  Einrichtungen
im  Jahre  1911:  308  m  M.;
1  Flußbadeanstalt  im  Rhein  mit  Erteilung  von  Schwimmunterricht;  es  wurden
1911  hier  307  Zellenbäder  und  6999  Schwimmbäder  genommen,  Zuschuß  2975  M.;
1  Badegelegenheit  für  Frauen  und  Kinder.  1911  badeten  4700  Frauen  und
14  100  Kinder,  Unkosten  6449  M.;
3  Wartehallen;  Zahl  der  Besucher  1911  190000;
1  ärztliche  Poliklinik,  welche  1911  von  1129  Personen,  meist  Frauen  und  Kindern
der  Werksangehörigen  benutzt  wurde;
1  Frauenverein,  dem  nach  Anweisung  der  von  der  Firma  angestellten  Ärzte  und
Krankenschwestern  die  Mitwirkung  an  der  Verwaltung  des  Wöchnerinnenheims,
der  Säuglings-  und  Lungenfürsorge,  der  Mütterberatungsstelle,  der  Haushaltungsschule, ­
  des  Mädchenheims  usw.  anvertraut  ist.  Die  Aufwendungen  der
Firma  für  diese  Anstalten  betragen  jährlich  gegen  40  000  M.
Für  die  Kinderferienpflege  bestehen  bei  den  Farbenwerken  zwei  v.  Böttinger-Stiftungen,
  welche  im  Jahre  1911  50  Kindern  Ferienaufenthalt  und  89  Kindern  Milchpflege ­
  zuteil  werden  ließen.  Damit  diejenigen  nach  auswärts  gehenden  Kinder  bedürftiger
Arbeiterfamilien  auch  äußerlich  reputierlich  auftreten  können,  werden  an  solche  (1911:
an  24)  entsprechende  Kleidungsstücke  aus  den  Mitteln  einer  besonderen  Stiftung  ausgeliefert.
Die  Förderung  der  körperlichen  Reinigung  wird  bei  der  Gewerkschaft  Gustav
bei  Dettingen  a.  Main  außer  durch  die  unentgeltlich  zu  benutzende  Badeanstalt  dadurch
erstrebt,  daß  an  alle  Arbeiter  zu  festgesetzten  Terminen  Waschseife  gratis  verabfolgt  wird.
In  der  Zigarettenfabrik  Yenidze-Dresden  können  die  Arbeitsräume  erst  nach
Passieren  und  Benutzung  der  Garderoben-  und  Waschtoiletten  betreten  werden.
Für  Sport  und  Spiel  haben  gleichfalls  die  Farbenfabriken  vorm.  Friedr.  Bayer
&  Co.  in  Leverkusen  verschiedene  mustergültige  Einrichtungen  getroffen.  Wir  erwähnen ­
  die  Vermittlung  von  (1911  86)  Angelkarten  für  Rheinfischerei  (Unkosten  jährlich ­
  x000  M.),  die  Pflege  des  Turn-  und  Spielvereins,  welcher  1911  414  Mitglieder  zählte
und  von  der  Firma  mit  4204  M.  unterstützt  wurde,  den  Ruderverein,  dem  1911  83  Mitglieder ­
  angehörten  und  dessen  Unkosten  mit  2607  M.  von  der  Firma  bestritten  wurden  usw.
            
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