24 Allgemeines und Spezielles über Entwicklung und Stand der Wohlfahrtspflege.
— Die Chemischen Werke von Henkel & Co. in Düsseldorf haben drei Spielplätze
mit Turngeräten, je einen für ihre männlichen, weiblichen und jugendlichen Arbeiter zur
Verfügung gestellt. — Bei W. Spindler in Spindlersfeld gehört namentlich auch der
Ruderverein zu den beliebtesten Sportgelegenheiten. Bei der Firma Knape & Würk,
Schokoladenfabrik, Leipzig, haben die Sommerfestezu beliebten Familienfesten sich
ausgestaltet.
Die Erteilung von Urlaub an Angestellte und Arbeiter gehört zu den neuzeit
lichen gesundheitlichen Wohlfahrtseinrichtungen, die sich unverhältnismäßig schnell
Bahn gebrochen haben.
Es sind in dieser Richtung namentlich die großstädtischen Betriebswerke vorangegangen.
Nach dem „Kommunalen Jahrbuch“ für 1912/13 {Jena, Fischer) gewähren zurzeit
265 Stadtgemeinden in Deutschland regelmäßigen Urlaub an ihre Arbeiter, von 2 Tagen
bis zur Ausdehnung auf 14 Tage.
Es liegen außer der bereits 1901 von der Reichsregierung veranstalteten Erhebung
über die Arbeitszeit der Gehilfen und Lehrlinge, welche auch die Urlaubsgewährung
mit umfaßte (Drucksachen der Kommission für Arbeiterstatistik, Berlin 1902), und außer
den bezüglichen Tabellen des „Kommunalen Jahrbuchs“ noch einige Erhebungen neuester
Zeit über diese Wohlfahrtseinrichtung vor. Von diesen beruht die eine auf einer vom Ver
band der Gemeinde- und Staatsarbeiter am 1. April 1912 vorgenommenen Zählung, deren
Resultate in der Schrift: „Die Arbeiterfürsorge in den Gemeindebetrieben“,
Berlin 1912, veröffentlicht sind. Diese Erhebung weist nach, daß 225 Gemeinden unter
Fortzahlung des Lohnes ihren Arbeitern Sommerurlaub gewähren. •— Auch der deutsche
Metallarbeiterverband hat eine Erhebung über den Arbeiterurlaub in der Metall
industrie durchgeführt und veröffentlicht (Stuttgart, Schlicke, 1913) (36 S.). — Eine
weitere Erhebung wurde auf Grund eines Beschlusses der „Internationalen Vereinigung
für gesetzlichen Arbeiterschutz“ vom Bureau für Sozialpolitik der deutschen Sektion dieser
Vereinigung durch das Bureaumitglied Dr. Ludwig Heyde ausgeführt, deren Ergeb
nisse in der Schrift: „Urlaub für Arbeiter und Angestellte in Deutschland“
(München und Leipzig 1912, Duncker & Humblot) veröffentlicht worden sind.
Die Einrichtung der Arbeitszeit kann unter Umständen als eine Ergänzung der
Urlaubserteilung gelten, weil z. B. eine kürzere oder sogenannte „durchgehende“ Arbeits
zeit den Angestellten und Arbeitern für Erholungs-, also für gesundheitliche Zwecke, Zeit übrig
läßt. So ermöglicht beispielsweise bei den Chemischen Werken Henkel & Co. in
Düsseldorf die durchgehende Arbeitszeit den Bureauschluß um 4y 2 Uhr. — Bei der Firma
Kathreiners Malzkaffee-Fabriken, Berlin, dauert die tägliche Arbeitszeit der An
gestellten nur7V 2 Stunden. — Die „Sarotti“-Chocoladen-Industrie, A.-G., Berlin,
macht Propaganda für gesetzliche Einführung einer sog. „Sommerzeit“ und hat für
eine entsprechende Petition an den Reichstag bereits 80000 Unterschriften gesammelt.
— Viele Arbeitgeber gewähren den Arbeiterurlaub nicht nur unter Fortbezahlung des
Lohnes, sondern sie geben zum Lohne noch einen Urlaubszuschuß, da doch die Ausführung
einer Erholungsreise oder eines Erholungsaufenthaltes auf dem Lande mit besonderen Aus
gaben verknüpft ist.
Der Umstand, daß in sehr vielen Fällen die Tarifverträge und die Arbeitsord
nungen ausdrücklich die Urlaubsskala für die Arbeiter feststellen, beweist, wie sehr die
Urlaubserteilung an die Werksgenossen als eine Ehrenpflicht der deutschen Arbeitgeber
betrachtet wird.
Bei Aufzählung einiger Beispiele von Urlaubsgewährungen an Arbeiter ist zu er
wähnen, daß die Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. in Leverkusen im
Jahre 1911 3013 Arbeiter mit 10 087 Tagen und mit Urlaubslöhnen im Betrage von 58 437 M.
beurlaubten. In diesem Betrage ist der Lohn und ein 15 proz. Zuschlag zu demselben als
„Urlaubszulage“ enthalten. Im Jahre 1912 hat die Firma vier große möblierte Ferien-