Allgemeines und Spezielles über Entwicklung und Stand der Wohlfahrtspflege. 25
häuser für die Familien der Werksangehörigen einrichten lassen. Ein Ausschuß
von Fabrikbeamten führt über diese Häuser die Aufsicht.
Die Badischen Anilin- und Sodafabriken in Ludwigshafen a. Rh. gewähren
ihren älteren Arbeitern bis zu 14 Tagen Urlaub, gewähren zum Lohn einen Zuschuß bis
zu 7 M. und hatten im Jahre 1910 2403 Arbeiter beurlaubt. — Die Papierfabrik
M. Krause, Berlin - Charlotten bürg, gewährt ihren beurlaubten Arbeitern den dop
pelten Lohnsatz.
In der Porzellanfabrik Ph. Rosenthal & Co. in Selb i. Bay. hat jeder Arbeiter,
welcher 10 Jahre im Betriebe tätig gewesen ist, Anspruch auf einen I4tägigen Urlaub
gegen volle Vergütung des durchschnittlichen Lohnes. Alle Arbeiter, welche Mitglieder
der Wohlfahrtskasse des Verbandes deutscher Porzellanfabriken, deren Ziele der
spezielle Teil auf führt, sind, haben bereits nach einem Jahr der Beschäftigung bei
der Firma Anspruch auf einen 8tägigen Urlaub. Arbeiterinnen haben nach 3 Jahren Anspruch
auf 8 Tage Urlaub.
Als einen beachtlichen gesundheitlichen Faktor muß man auch die Ruhesäle be
trachten, die von einigen Firmen dann eingerichtet sind, wenn eine größere Anzahl ihrer
Arbeiter mittags keine Gelegenheit zum Ausruhen findet. Letzteres ist namentlich bei
denjenigen Arbeitern, die wegen der weiten Entfernung ihres Wohnortes von der Arbeits
stätte mittags nicht nach Hause gehen können, der Fall. Solche Arbeiter brauchen nach
der Einnahme ihres eigenen, durch besondere Fabrikvorrichtungen gewärmten Mittags
essens oder nach dem Speisen in der Fabrikkantine nicht in letzterer sich länger aufzu
halten, wo sie leicht alsdann sich unnötigem Biergenuß hingeben würden. — Die Firma
Günther Wagner in Hannover und die Zigarettenfabrik Yenidze in Dresden
haben musterhafte Ruhesäle mit Liegestühlen eingerichtet, die wirklich Ruhegelegenheiten
sind, weil sie abseits vom Geräusch sich befinden. Bei der Firma Yenidze befinden sie
sich in der großen Glaskuppel des im orientalischen Stile erbauten Fabrikgebäudes. —
Bei den ChemischenWerken Henkel & Co. in Düsseldorf steht während der Mittags
pause den Ruhebedürftigen der „Dachgarten“ zur Verfügung. ■— Wenn bei den meisten
der in Betracht kommenden Firmen die Länge des Urlaubs auf einer Staffelung nach Dienst
jahren beruht, so herrscht bei dem Zeißwerk in Jena noch eine gewissermaßen feinere
Abgrenzung der Urlaubsdauer. Bis im vorigen Jahre hatte jeder Arbeiter im Zeißwerk
nach einjährigem Dienst bei der Firma, ein Alter von 20 Jahren vorausgesetzt, jährlichen
Anspruch auf 6 Tage Urlaub und Wochenlohn. Nach den neuesten Bestimmungen steigt
jetzt, vom 31. Lebensjahre ab, der Anspruch auf Urlaub alle 5 Jahre um einen Tag, bis
schließlich ein bezahlter Urlaub von 12 Tagen im Jahre erreicht wird. Außerdem wird
zum Urlaubslohn ein Zuschlag bezahlt, und zwar nach 5 Dienstjahren 10 %, nach 10 Dienst
jahren 20 % und nach 30 Dienstjahren 30 %. Beide Verbesserungen des Urlaubs sind
Anregungen und Anträgen des Arbeitsausschusses entsprungen. Die Ausgabe für die
Arbeiterferien betrug im letzten Geschäftsjahre rund 50 000 M.
Bei einer Firma erhalten diejenigen Werkmeister, welche auf den ihnen zustehenden
Urlaub verzichten, eine um einen Viertelmonatsgehalt erhöhte Weihnachtsgratifikation.
Wir halten dieses Verfahren nicht für nachahmenswert, auch nicht für im Interesse des
Arbeitgebers liegend.
Für eine wichtige gesundheitsförderliche Sache halten wir auch den Kleingarten
bau. Inwieweit Arbeitgeber hierzu ihren Angestellten und Arbeitern die Möglichkeit
bieten, wollen wir bei der Besprechung der Gruppe 13, Wohnungsfürsorge, kurz erörtern.
Hinsichtlich der Gruppe 10,
ERHOLUNGSSTÄTTEN UND VOLKSPARKS, kommen meistens Stiftungen für Aus
dehnung bereits bestehender oder für Neuanlage von städtischen Parkanlagen in Betracht.
Es handelt sich hier also nicht eigentlich um Arbeiter-, sondern um Volkseinrichtungen.
Daß aber die freiwilligen Zuwendungen für diesen gemeinnützigen Zweig, für welchen wir