Full text: Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Allgemeines und Spezielles über Entwicklung und Stand der Wohlfahrtspflege. 29 
eine Abhandlung im „Arbeiterfreund“ 1910, S. 3o6f. über „Gartenbau für Knaben mit be 
sonderer Berücksichtigung der Anstalten in Darmstadt und Breslau“. 
Für die Förderung der Kleingartenkultur in Arbeiterkreisen ist auch der Staat als 
Arbeitgeber in seinen Eisenbahn- und Bergverwaltungen mit zunehmendem Erfolg 
tätig. Die privaten Bergwerke sind aber auch in dieser Richtung sehr rührig. Es verdient 
Erwähnung, daß z. B. das Steinkohlenwerk Charlotte in Czernitz ein Gelände von 562 ha, 
die Mansfelder Kupferschiefer bauende Gewerkschaft in Eisleben 397 ha, 
die Harpener Bergbau-A.-G. 142 ha Gartenland an ihre Arbeiter, in der Regel gegen 
den äußerst geringen Pachtpreis von 1—2 Pf. per Quadratmeter jährlich, verpachtet haben. 
Für 
ERZIEHUNGS- UND UNTERRICHTSZWECKE betätigt sich gleichfalls das Interesse 
deutscher Arbeitgeber in hervorragender Weise. Wenn auch in Gruppe 14 für die Jahre 
1883, 1884, 1891 und 1894 keine freiwilligen Zuwendungen von uns gebucht werden konnten, 
so sind doch für die verbleibenden 26 Jahre des Zeitraums 1883—1912 55 157 616 M. er 
mittelt worden. Für das Jahr 1912 ist ein Betrag von 4 103 407 M. in Gruppe 14 nach 
gewiesen. Sehr oft ist ein Unterricht schulpflichtiger Kinder von Fabrikangehörigen in 
Handfertigkeit und Haushaltsführung den Einrichtungen für Kinder- und Säuglingspflege 
(Gruppe 6) angegliedert. Andererseits werden auch die Ortsschulen vielfach von Arbeit 
gebern unterstützt. So unterstützt die Ilse, Bergbau- A. -G., in Ilse fünf sechsstufige 
Schulen. Diejenigen Schüler der Oberstufe, welche sich durch besondere Fähigkeiten und 
durch ihren Fleiß auszeichnen und deren sittliches Betragen einwandfrei ist, erhalten beim 
Austritt aus der Fortbildungsschule eine Prämie von 1000 M„ die ihnen den Besuch einer 
Fachschule ermöglicht. Solche Schüler sind nicht verpflichtet, nach dem Verlassen der 
Schule in den Dienst der „Ilse“ zurückzutreten. — Die Mechanische Flachsspinnerei 
Meyer & Co. in Wiesenbad i. Sa. bezahlt für die Kinder ihrer Arbeiter das volle Schul 
geld und hat der Ortsschule eine Bibliothek überwiesen, die auch fleißig von der Arbeiter 
schaft benutzt wird. — Aus der Arbeiterschulkassenstiftung der Sächsischen Gußstahl 
fabrik in Döhlen b. Dresden, welche 32 000 M. Vermögen besitzt, wird gleichfalls für 
die Kinder bedürftiger Arbeiter das Schulgeld bezahlt. — Die Ostdeutsche Maschine n- 
f abrik, vor m. Rud. Werne ke, A.-G. in Heiligenbeil (Ostpr.), zahlt zur Anspornung für 
eine möglichst gute Erziehung Schulgeld und Bücher für Arbeiterkinder, welche die städti 
sche Mittelschule besuchen. — Die Zement- und Steinwerke E. Schwenk in Ulm 
a. D. gewähren für die Kinder ihrer Arbeiter alle Lehrmittel und Schulgeld. — Bei der 
Papierfabrik Kübler & Niethammer in Kriebstein erhalten die über x Jahr bei 
der Firma tätigen Arbeiter das Schulgeld für ihre Kinder, und solche Arbeiter, die 10 Jahre 
dort sind, erhalten außerdem für jedes Kind, das konfirmiert wird, ein Geschenk von 30 M. 
— Eigene Handfertigkeits- resp. Haushaltungsschulen für die Kinder der Werksangehörigen 
finden wir bei der Steinkohlengewerkschaft Charlotte in Czernitz, bei der Majo 
likafabrik Villeroy & Boch in Mettlach, bei dem Glashüttenwerk in Gerres 
heim, bei dem Verein chemischer Fabriken, Mannheim, sowie in den Farben 
werken vorm. Friedr. Bayer &Co. in Wiesdorf eingerichtet. Die letztgenannte Firma 
hat Handarbeitsschulen für Frauen, für die Arbeiterinnen und für die erwachsenen Töchter 
der Werksangehörigen, sowie Handarbeitskurse für Schulkinder und Klöppelunterricht für 
Fabrikarbeiterinnen eingerichtet. Alle diese Schulen werden von fachlich vorgebildeten 
Kräften geleitet, und eine Reihe von Stiftungen sorgt dafür, daß der Unterricht von aller 
lei Festlichkeiten, z. B. gemeinsamen Ausflügen, Abgangsfesten, Weihnachtsfeiern, Aus 
stellungen und Prämiierungen, umrahmt wird. 
Bei Gebr. Stollwerk, A.-G., Köln, erhalten die weiblichen Angestellten, welche hei 
raten wollen, falls sie über 5 Jahre im Geschäft tätig sind, einen achtwöchentlichen kosten 
freien Haushaltungsunterricht. Der während dieser Zeit ihnen entgangene Arbeitsverdienst 
wird den Neuvermählten am Hochzeitstage als Sparkassenbuch überreicht.
	        
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