34 Allgemeines und Spezielles über Entwicklung und Stand der Wohlfahrtspflege.
und Mädchen die Benutzung solcher Heime zu ermöglichen. Diese Fürsorge gerade für
die weiblichen Mitglieder des Mittelstandes ist besonders notwendig, nicht nur für die Be
teiligten direkt, sondern auch im Hinblick auf die Sicherung der Gesundheit der künftigen
Geschlechter. Die illustrierten Schriften der Gesellschaft (Begründer ist Paul Baum-
Wiesbaden) geben vorzüglich informierende Unterlagen über die bereits erreichten und noch
zu erstrebenden Ziele.
Der Verein für Handlungscommis von 1858, Sitz Hamburg, sowie auch die
Vereine: Verband deutscher Handlungsgehilfen, Sitz Leipzig, Deutscher Werk
meister-Verband, Sitz Düsseldorf, Deutscher Privat-Beamten-Verein, Sitz Magde
burg; u. a. erfreuen sich gleichfalls in ihrem Wirken für Versicherung und Unterstützung
ihrer Mitglieder der regen Mithilfe von seiten der „stiftenden“ Mitglieder, d. h. der Arbeitgeber.
Dem erstgenannten Verein für Handlungscommis von 1858, der über 120000 Mit
glieder zählt, gehören mehr als 12 000 Prinzipale an. Sein Jahresumsatz überschreitet
1 Mill. M., er besitzt mehrere Erholungsheime, ausgedehnte Versicherungskassen, eine
eigene Unterrichtsanstalt, Stellennachweisbureaus usw. Der Pensionsverein des Bank
hauses Gebr. Arnhold in Dresden dehnt seine Wirksamkeit nicht nur auf die Ange
stellten der Firma und ihre Kommanditisten, sondern auch auf die Angestellten der zahl
reichen Aktiengesellschaften (zurzeit 54), in deren Aufsichtsrat die Firma Gebr. Arnhold
vertreten ist, aus. Die Anzahl der Versicherten beträgt bereits ca. 1900, das Vermögen
hat den Betrag von 1 650 000 M. erreicht. — Nach ähnlichen Grundsätzen ist der aus
gedehnte Beamtenversicherungsverein des deutschen Bank- und Bankier
gewerbes in Berlin seit 1909 wirksam, dem 850 Bankinstitute und Bankfirmen mit etwa
30 000 Angestellten angehören, deren monatliche Beitragszahlung sich auf etwa 550 000 M.
beläuft.
Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller erstrebt die Unterstützung und
Darlehnsbeihilfe hilfsbedürftiger Standesgenossen und deren Witwen und Waisen. Der
Fonds seiner Unterstützungskasse ist von 2700 M. bei der Gründung 1911 bereits auf 25 000 M.
gestiegen, auch besitzt er eine Waisen-Stiftung in Höhe von 140000 M.
Die Förderung der Gewerbe auf dem Vereinswege wird besonders erfolgreich
vom Verband deutscher Gewerbevereine und Handwerkervereinigungen
Deutschlands, Sitz Darmstadt, betrieben. Neben beruflicher und wirtschaftlicher
Förderung seiner Mitglieder (Versicherungen usw.) ist der Verband auch in der Lage, das
dem Badischen Landesverband gehörige Erholungsheim zu Bad Sulzburg zu billigsten
Sätzen zur Verfügung zu stellen. Das Vermögen des Verbandes belief sich nach amtlicher
Feststellung im Jahre 1906 bereits auf 4 768 000 M.
Manche Arbeitgeber haben innerhalb ihrer Arbeitsstätte Vereinsbildungen geschaffen,
die sich an allgemeine Versicherungsunternehmungen anschließen. So hat die Eisenbahn
signal-Bauanstalt Max Jüdel & Co. A.-G. in Braunschweig einen Zweigverein
des deutschen Privatbeamtenvereins gebildet, damit mittels erheblicher Zuschüsse der Firma
ihren Beamten und deren Angehörigen die Wohltaten dieses Vereins zugute kommen.
Auf Vereinsbildungen innerhalb des Personals einzelner Firmen für
Bildungs-, Turn-, Unterrichts-, Spar- und ähnliche Zwecke haben wir bei den be
treffenden Gruppen hingewiesen. Obenan stehen in dieser Richtung die Vereinsbildungen
innerhalb der Farbenfabriken vorm. Fr. Bayer & Co. in Leverkusen.
Die Deutsche Bank hat einen besonderen Beamten-Fürsorgeverein gebildet,
dem sie jährlich über 1 Mill. M. (1912: x 295650 M.) zuwendet.
Im Anschluß hieran ist auch der Werkvereine zu gedenken, die neuerdings einen
erheblichen Aufschwung genommen haben und die unseres Erachtens sich zu einem Faktor
entwickeln, der für eine günstigere Gestaltung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern
und Arbeitern erhöhte Beachtung verdient. Sie zeugen von dem anwachsenden Vertrauen
der Arbeiter zu ihren Arbeitgebern. Natürlich sind die großen Firmen in erster Linie