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Verband Deutscher Gewerbevereine und
Handwerkervereinigungen, Darmstadt.
Die Gewerbevereine Deutschlands, die als freie und gemeinnützige Vereinigungen
auf eine hundertjährige Vergangenheit zurückblicken, haben sich größtenteils im Jahre
1892 zu einem Verbände geeinigt, der heute den Namen „Verband Deutscher Gewerbevereine
und Handwerkervereinigungen“ führt und aus 16 Landesverbänden und 9 einzelnen städti
schen Vereinen besteht mit rund 150 000 Mitgliedern. Vorort des Verbandes ist seit 1902
der Gewerbeverein für das Großherzogtum Hessen mit dem Sitze in Darmstadt.
Das Arbeitsgebiet dieser Vereine umfaßt:
1. DAS UNTERRICHTSWESEN durch Errichtung von Handwerker-, Gewerbe- und
Fachschulen, von Fachkursen zur Vorbereitung für Gesellen- und Meisterprüfungen, Ab
haltung von Gesellenprüfungen, Veranstaltung von Meisterkursen, Einrichtung von Lehr
lingswerkstätten und Lehrlingsheimen.
2. ALLGEMEINE GEWERBEFÖRDERUNG durch Bibliotheken, technische Muster
sammlungen, Lehrmittelsammlungen, Ausstellung von Gewerbe- und Handwerkserzeug
nissen, von Lehrlings- und Schülerarbeiten, Herausgabe von Zeitschriften (Gewerbeblätter),
Förderung des Arbeitsnachweises, Lehrstellenvermittlung.
3. DIE PFLEGE DES VEREINSLEBENS und fachlichen Zusammenschlusses durch
Vorträge und Versammlungen mit Erörterung der das Gewerbe berührenden Fragen, gemein
same Besichtigungen gewerblicher Betriebe und großer Ausstellungen.
4. WIRTSCHAFTLICHE FÖRDERUNG DES GEWERBESTANDES durch Pflege des
Genossenschaftswesens, des Versicherungswesens für Unfall-, Haftpflicht-, Lebens-, Sach
schaden- und Feuerversicherung, Einrichtung von Sterbekassen, von Erholungsstätten,
Bekämpfung der Auswüchse des Submissionswesens, der Ausverkäufe, des Hausierhan
dels usw.
Die Vereine des Verbandes besaßen im Jahre 1906 nach den damals vom Kaiserlichen
Statistischen Amte angestellten Erhebungen über die Wirkungen des Handwerkergesetzes
ein Vermögen von rund 4768000 M., von denen 2 297 000 M. in Grundvermögen angelegt
waren. Die Einnahmen der Vereine sind in der Hauptsache der allgemeinen Gewerbeförde
rung gewidmet, und zwar jährlich rund 770 000 M. für Schulzwecke, Bibliotheken und
Lesezimmer, Meisterkurse, belehrende Vorträge und Ausstellungen. Das Vermögen der
Stiftungen und Fonds belief sich im Verbände auf 614 000 M., deren Zinsen der Förderung
des Handwerkerstandes dienen. Bei den Gewerbevereinen bestanden 16 Genossenschafts
hallen, 8 Verkaufshallen, 5 gemeinschaftliche Geschäftsbetriebe und 351 Schulen mit
31 540 Schülern und 915 Berufslehrern, von denen 553 Handwerksmeister waren.
WOHLFAHRTSEINRICHTUNGEN. Zur wirtschaftlichen Förderung seiner Mitglieder
bestehen zahlreiche Wohlfahrtseinrichtungen im Verbände. Zunächst eine Verbands
sterbekasse mit einem Reservefonds von etwa 120 000 M. Sie gibt für die Versicherten,
Männer wie Frauen und Familienangehörige, bis zu 1000 M. Sterbegeld. Uber Haftpflicht-
und Lebensversicherungen sind mit dem Allgemeinen Deutschen Versicherungsverein a. G.
zu Stuttgart Meistbegünstigungsverträge abgeschlossen worden. Ebenso bestehen Emp
fehlungsverträge über Feuerversicherung mit der Württembergischen Privatfeuerversiche
rung auf Gegenseitigkeit in Stuttgart; mit der Stuttgarter Mit- und Rückversicherungs-
Aktiengesellschaft über Einbruchdiebstahl, Wasserleitungs-, Gas-, Sturmschaden-, Maschinen-,
Kraftfahrzeuge- und Veruntreuungsversicherung. Schließlich ist mit dem „Nordstern“,
Unfall- und Haftpflicht-Versicherungs-Aktiengesellschaft zu Berlin ein Vertrag über Unfall-