Full text: Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Villeroy & Boch, Mettlach. 
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Von 1889—1912 wurden erbaut und angekauft 685 Häuser mit einem Kosten 
aufwand von 2 602 053 M. 
es wurden zurückgezahlt 1 468 508 ,, 
Die Restschuld der Arbeiter beträgt 1 133 545 ,, 
Von den 685 Häusern wurden 226 vollständig abbezahlt und gingen in das freie Eigen 
tum der Arbeiter über. 
SCHLAF- UND SPEISEANSTALTEN. Für die in kleinen Ortschaften wie Mettlach 
gelegenen Fabriken mußte bei Vergrößerung der Betriebe die Hinzuziehung von Arbeitern 
aus den umliegenden, ziemlich weit entfernten Dörfern ermöglicht und für das Unter 
bringen aller derjenigen Sorge getragen werden, welche abends nicht nach ihrem Wohnort 
zurückkehren können. Es hatte diese Fürsorge vornehmlich den jugendlichen Arbeitern 
beiderlei Geschlechts zu gelten, insbesondere auch zur Verhütung der Gefahren für Ge 
sundheit und Sittlichkeit, denen jüngere Arbeiter in fremden Kosthäusern an gewerbe 
reichen Orten gar oft ausgesetzt sind. 
Aus den angezogenen Gründen wurde im Jahre 1870 in Mettlach eine große Schlaf- 
und Speiseanstalt erbaut und deren Leitung den Schwestern des Ordens vom hl. Karl 
Borromäus anvertraut. In dieser Anstalt finden gegenwärtig etwa 350 Mädchen und 
80 Knaben Kost und Wohnung. Die Sonntage verbringen dieselben größtenteils in ihrer 
Familie. Der Preis für die tägliche Beköstigung beträgt 45 Pf., außerdem wird ein Schlaf 
geld von 10 Pf. erhoben, dasselbe wird jedoch denen erlassen, welche weniger als 1 M. 
täglich verdienen. 
Die in demselben Gebäude befindliche Speiseanstalt bietet allen Arbeitern, die sich 
beteiligen, gute und billige Kost. Sie umfaßt in fünf zweckmäßig eingerichteten Sälen 
ebensoviele Klassen. 
a) Die jungen Beamten der Fabriken erhalten Mittags- und Abendtisch in bester 
Qualität und Abwechslung zu täglich 1 M. 
b) Der Männertisch erster Klasse erhält Frühstück für 15 Pf., Mittagessen bestehend 
aus Bouillon, Fleischbrühe mit Beilage, Braten mit Kartoffeln und Gemüse und 
y 2 Pfd. Brot für 55 Pf. und Abendessen für 30 Pf.; zusammen 1 M. 
c) Der Männertisch zweiter Klasse erhält dasselbe, jedoch nur 1 Sorte Fleisch für 
zusammen 90 Pf. 
d) und e) Knaben und Mädchen erhalten das Frühstück für 10 Pf., das Mittagessen, 
bestehend aus Suppe, Fleisch, Kartoffeln und Gemüse und x / 2 Pfd. Brot, für 25 Pf. 
und Abendessen für 15 Pf. 
Das Gewicht der Fleischportionen beträgt für die beiden ersten Klassen 250 g und 
für die übrigen 200 g. 
Die Bezahlung geschieht in der Weise, daß jedem Besucher wöchentlich eine Karte 
ausgehändigt wird, auf welcher er vermerkt, welche Mahlzeiten er zu nehmen beabsichtigt. 
Bei der Lohnauszahlung wird ihm auf Grund dieser Karte der betreffende Betrag abgezogen. 
Die Anstalt erfreut sich täglich des Besuches von etwa 500 Kostgängern. 
Da eine große Anzahl Arbeiter es vorzieht, das zu Hause zubereitete Essen sich bringen 
zu lassen, hat die Firma heizbare Wagen hersteilen lassen, welche ihnen das Essen nach 
den Fabriken besorgt; diesen Arbeitern stehen geräumige Speisesäle zur Verfügung, in 
welchen auch einige Nahrungsmittel, wie Brot, Wurstwaren, Bier und Fleischbrühe, zu 
billigen Preisen erhältlich sind. Das früher übliche Zutragen der Speisen durch Kinder 
und Frauen ist dadurch in Wegfall gekommen. 
Außerdem bieten Arbeiterzüge einer größeren Anzahl von Arbeitern Gelegenheit, zur 
Mittagszeit nach Hause zu fahren. 
Eine weitere in Mettlach von auswärtigen Arbeitern gern benutzte Anstalt enthält 
mehrere mit je 12 Betten versehene Schlafsäle und dazu für je zwei solcher Säle ein ge 
meinschaftliches Speise- und Wohnzimmer. In diesen Räumen wirtschaften kleine Gesell-
	        
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