Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

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Villeroy  &  Boch,  Mettlach.

schäften  für  eigene  Rechnung  mit  einer  von  ihnen  angestellten  und  bezahlten  Haushälterin.
Jeder  Mann  hat  für  Benutzung  dieses  Schlafhauses  einschließlich  Reinhaltung  des  Bettes
io  Pf.  täglich  zu  entrichten.
Zum  Zwecke  billiger  Beschaffung  von  Lebensmitteln  und  sonstiger  häuslicher  Bedürfnisse, ­
  hat  die  Firma  in  Mettlach,  Wallerfangen,  Merzig  und  Wadgassen  die  Gründung
von  Konsumvereinen  veranlaßt,  deren  Benutzung  für  ihre  Mitglieder  noch  die  weitere
segensreiche  Folge  hat,  daß  dieselben  an  unmittelbare  Zahlung  der  entnommenen  Waren
gewöhnt  werden.  Die  Verkaufspreise  dieser  Konsumvereine  sind  nicht  höher  als  in  den
Geschäften  am  Platze;  trotzdem  verteilen  diese  Vereine  io—14%  Dividende,  so  daß  sie
gleichzeitig  als  Sparkasse  während  des  Laufes  des  Jahres  angesehen  werden  können.
KRANKENHÄUSER.  Um  die  Pflege  und  ärztliche  Behandlung  erkrankter  Arbeiter
zu  erleichtern,  sind  in  Mettlach,  Wallerfangen  und  Merzig  Krankenhäuser  erbaut  worden,
welche  unter  der  bewährten  Leitung  von  Borromäerinnen  stehen.  Über  die  Entstehung
dieser  Anstalten  ist  folgendes  zu  berichten:
Schon  im  Jahre  1848  wurde  in  Wallerfangen  ein  Schwesternhaus  eingerichtet,  welches
1878  als  Sophienstiftung  Korporationsrechte  erhielt.  Diese  Stiftung  wurde  von  Mitgliedern
der  Firma  mit  einem  Stiftungskapital  von  180  000  M.  dotiert  und  diente  in  erster  Linie
zur  Krankenpflege,  ferner  zur  Unterstützung  von  Armen  und  Hilfsbedürftigen  durch  Verabreichung ­
  von  Nahrungsmitteln,  Heizungsmaterial,  Kleidungsstücken,  Bettzeug  usw.
In  Merzig  wurde  1880  von  dem  Mitbegründer  der  Merziger  Fabrik  Wilhelm  von  Fellenberg
  ebenfalls  ein  Krankenhaus  ins  Leben  gerufen,  welches  1884  in  den  Besitz  der  Firma
überging.  In  derselben  Anstalt  befindet  sich  auch  ein  Waisenhaus,  eine  Kinderbewahranstalt ­
  und  ein  Speisehaus  für  Arbeiter.  Es  werden  jährlich  annähernd  200  Kranke  in
der  Anstalt  verpflegt.  Das  Stiftungskapital  beträgt  75  000  M.
Auch  das  Mettlacher  Krankenhaus  ist  nicht  direkt  von  der  Firma  gegründet  worden,
sondern  verdankt  seine  Entstehung  dem  Geheimrat  Eugen  von  Boch,  welcher  1857  aus
eigenen  Mitteln  die  Anstalt  erbaute.  Zur  Leitung  desselben  erbat  er  sich  von  dem  Mutterhause ­
  der  Borromäerinnen  in  Trier  einige  Schwestern.  Dieselben  beteiligten  sich  bald
eifrig  an  den  Bestrebungen  zur  Förderung  des  leiblichen  und  sittlichen  Wohles  der  Arbeiterbevölkerung, ­
  so  daß  ihnen,  wie  schön  bemerkt,  auch  die  Leitung  der  Speise-  und  Schlafanstalt ­
  übertragen  wurde.  Im  Jahre  1877  wurde  die  Krankenabteilung  auf  150  Betten
erweitert.  Trotzdem  genügte  auf  die  Dauer  die  Einrichtung  den  Anforderungen  nicht.
Daher  wurde  im  Jahre  1890  von  der  Firma  noch  ein  zweites  kleineres  Krankenhaus  ausschließlich ­
  für  Arbeiter  erbaut,  welches  im  Jahre  1905  durch  einen  umfangreichen  Anbau
bedeutend  erweitert  wurde.  Eugen  von  Boch  vermachte  bei  seinem  Tode  das  alte  Krankenhaus ­
  der  Firma  und  dotierte  dasselbe  mit  einer  Stiftung  von  200  000  M.,  so  daß  es  in  seinem
Sinne  weiter  geführt  werden  kann.  Die  Krankenkassen  der  Firma  haben  bezüglich  der
Verpflegung  ihrer  Mitglieder  in  diesen  Krankenhäusern  besondere  Abkommen  mit  denselben ­
  getroffen.
ANSTALTEN  UND  VEREINE  ZUR  GESELLIGEN  ERHOLUNG.  Die  Firma  begnügt
sich  nicht  damit,  Einrichtungen  zu  treffen,  um  das  leibliche  und  materielle  Wohl  ihrer
Arbeiter  zu  fördern,  sondern  sie  hat  auch  mit  gutem  Erfolge  angestrebt,  auf  deren  gesellige
Erholung  und  Unterhaltung  veredelnd  einzuwirken.  So  sind  in  einzelnen  Fabriken  Gesangvereine ­
  und  Musikkapellen  von  Arbeitern  gebildet  worden,  welche  unter  Leitung  tüchtiger,
von  der  Firma  angestellter  Kapellmeister  Konzerte  veranstalten  und  durch  ihre  Vorträge
zur  Belebung  der  alljährlich  stattfindenden  gemeinschaftlichen  Ausflüge  und  Arbeiterfeste
wesentlich  beitragen.
Im  Jahre  1857  hat  Eugen  von  Boch  auf  einem  Bergabhange  bei  Mettlach  den  sog.
Pavillon  errichten  lassen  und  zur  Verfügung  der  Beamten  und  Arbeiter  gestellt.  Dort
unterhält  die  Firma  eine  billige  Restauration  mit  großem  Garten  für  Sommerwirtschaft
            
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