Full text: Weltporto-Reform

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sich die wunderlichsten Tarifcuriosa und verblüffendsten Porto 
unterschiede, wie unten in der Anmerkung an zahlreichen Bei 
spielen gezeigt wird. 
Ein internationaler Brief von 10 Unzen Gewicht (283,4 g) 
kostet in England und Nordamerika heute etwa 1,35 M Porto, 
in Deutschland aber 1,60 M, in Frankreich 3,80 M, in Russland 
4,10 M und in San Domingo oder im Kongostaat, wenn er eine 
weite Seereise macht, 7,70 M. 
28 g kosten in einem Falle 20 Pfg., im andern Falle aber 
40 Pfg-, im dritten Falle sogar 80 Pfg. 
Deshalb ist es auch schwer zu begründen, solchen Ländern, 
die für den gesamten Weltverkehr nach auswärts einseitig das 
billiger ansfällt als das inländische Porto. In Russland z. B. zahlt man 
im Inlande für jedes Lot (12 3 / 4 g) 7 Kopeken = 15,12 Pf. Für 20 g 
müsste man also schon 30,24 Pf., für 40 g aber 60,48 Pf. zahlen, während 
das neue Normalporto des Weltposttarifs für 20 g nur 20 Pf. (25 Centimes) 
und für 40 g 32 Pf. (40 Centimes) erfordert. 
In Italien kostet ein inländischer Brief 15 Centimes für je 15 g, 
also ein Brief von 150 g 1,50 Pranken. Nach dem normalen neuen Welt 
portotarif stellt sich aber ein Brief von 150 g nur auf 1,30 Franken (in Italien 
freilich auf 2,50 Fr.). 
An sich würde es weiter gar nichts schaden, wenn das internationale 
Weltporto billiger wäre als das Inlandsporto. Aus Spanien konnte man 
früher gewisse Briefkategorien billiger nach Portugal als nach dem Inlande 
versenden. In den Vereinigten Staaten stellen sich Warenpakete im 
Inlande auf 16 Cents (61 Pf.) für das Pfund, Postpakete nach dem Auslande 
aber nur auf 12 Cents (48 Pf.) (Siehe Deutsche Yerkehrszeitung 1908, 
S. 279). 
Natürlich werden solche Verhältnisse als ein Widerspruch empfunden, 
ihr grosser Vorteil liegt aber darin, dass sie bald zu einer Reform der 
Inlandstarife zu führen pflegen, sodass man sie gar nicht um jeden Preis 
zu scheuen braucht. Da die Briefgewichtserhöhung von 15 auf 20 Gramm 
in Deutschland zu einer Mehreinnahme von 12 Millionen Mark führte, 
brauchen sich die Länder, die noch an 15 Gramm festhalten, vor einer 
gleichen Massregel nicht zu fürchten und können getrost schon eine Weile 
vorher das 20 g-Gewicht im Weltpostverkehr einführen. So wie die 
Dinge jetzt liegen, haben wir in Wirklichkeit vier verschiedene 
Brieftarife im Weltpostverein oder, wenn man die erheblichen 
Gewichtsabweichungen infolge der Unze und die Seeporto 
zuschläge berücksichtigt, noch viel mehr. Ich will sie nachstehend 
für die wichtigsten Länder aufzählen. 
!• Tarif. Der Normaltarif von 25 Centimes für die ersten 20 g 
und 15 C. für je weitere 20 g. In England, Indien, Canada, vielen eng-
	        
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