Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Arbeit  auf  der  Zeche  gezwungen  werden.  Für  eine  Reihe  dieser
Leute  haben  wir  Klage  an  das  hiesige  Gewerbegericht  entworfen.
Das  Gewerbegericht  nimmt  aber  die  Klagen  nicht  an.  Nach
einem  uns  vorliegenden  Bescheid  teilt  der  Herr  Vorsitzende  des
Berggewerbegerichts  mit,  daß  diese  Arbeiter  „nicht  als  freie
Arbeiter  zu  betrachten  seien".  Es  wird  ihnen  daher  das  rechtliche ­
  Gehör  verweigert.
Die  Arbeiter  befinden  sich  nun  in  einer  höchst  betrübten
Lage.  Sic  fallen  der  öffentlichen  oder  der  jüdischen  Armenpflege ­
  zur  Last.  Zwei  von  ihnen,  die  uns  heute  um  unseren
Schutz  baten  (Liebeskind  und  Fcldan),  können  eine  Unterkunft
überhaupt  nicht  namhaft  machen.  Sie  wollen  schon  wochenlang
im  Freien  genächtigt  haben.
Die  Leute  wollen,  wenn  anders  sie  hier  keine  geeignete  Arbeit ­
  finden  können,  gern  nach  Lodz  zuriick,  dazu  haben  sie  aber
kein  Geld  und  keine  Ausweispapiere.  Die  Zechen  geben  ihnen
weder  die  Papiere  noch  das  verdiente  Geld  heraus.  U.  E.  sind
die  Zechen  selbst  dann,  wenn  rückständiger  Lohn  nicht  vorhanden
ist.  verpflichtet,  für  die  Rückschaffung  der  Leute  auf  eigene
Kosten  Sorge  zu  tragen.  Mit  Gewalt  können  die  Leute  zur  Arbeit ­
  nicht  gezwungen  werden.  Denn,  obgleich  ihnen  in  dem  Bescheid ­
  des  Herrn  .Vorsitzenden  des  Berggewerbegerichts  die
Eigenschaft  als  „freie  Arbeiter"  abgesprochen  wurde,  so  ist  unseren: ­
  Rechtsleben  doch  der  Begriff  der  Sklaverei  fremd.
U.  E.  handelt  es  sich  hier  um  eine  Angelegenheit,  welche
das  öffentliche  Interesse  und  auch  die  Öffentlichkeit  im  allerhöchsten ­
  Grade  interessiert.
Euer  Hochwohlgeboren  bitten  wir  daher  ganz  ergebenst,
nicht  nur  im  Interesse  dieser  Arbeiter,  sondern  auch  im  Interesse
der  öffentlichen  Ordnung,  diesen  ganz  unhaltbaren  Zuständen
ein  Ende  zu  bereiten.
Insbesondere  haben  sich  heute  wieder  die  folgenden  Arbeiter
au  uns  gewandt,  die  gern  nach  Lodz  zurückgeschafft  werden
möchten:
1.  Hirsch  Goldberg  in  Essen,  Stoppenbergerstr.  8t.
2.  Schmul  Liebeskind,  ohne  Unterkunft.
3.  Abraham  Feldan,  ohne  Unterkunft.
4.  Hermann  Lobowski  in  Stoppenberg,  Salkenbergsweg  24.
5.  Max  Wittelson  in  Stoppenberg,  Ernestinestr.  89.
6.  Liebmann  Kursk  in  Stoppenberg,  Ernestinestr.  89.
Der  unter  !.  Genannte  war  beschäftigt  auf  Zeche  Matthias
Stinnes.  die  übrigen  5  auf  Zeche  Ernestine.  Für  die  zu  2  und
3  Genannten  ist  der  p.  Goldberg  bereit,  Zuschriften  und  Benachrichtigungen ­
  entgegenzunehmen.
            
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