Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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schweige  denn,  daß  sie  einen  Ausgleich  für  die  beispiellos  hohe
Preissteigerung  der  Lebensmittel  darstellt.
Es  ist  auch  bekannt,  daß  die  Familien  der  Bergarbeiter
zu  den  kinderreichsten  gehören,  eine  Tatsache,  die  im  Interesse
der  allgemeinen  Volkspolitik  zu  begrüßen  ist.  Aber  der  Kinderreichtum ­
  der  Bergarbeiterfamilien  vermehrt  nun  unter  der
Herrschaft  der  enormen  Nahrungsverteuerung  die  wirtschaftliche ­
  Not  dieser  Familien  noch  besonders.  Wenn  selbst  der
Durchschnittslohn  der  bestbezahlten  Hauer,  Lehrhauer  und
Schlepper  (Gedingearbeiter)  nur  auf  6,64  Mk.  bemessen  ist,
nicht  höher  als  zu  einer  Zeit,  wo  die  Lebenshaltung  ganz  erheblich ­
  billiger  war,  so  ist  noch  besonders  zu  bedenken,  wie
schlecht  sich  die  wirtschaftliche  Lage,  namentlich  der  verheirateten
anderen  Untertagsarbeiter  und  gar  die  der  noch  geringer  bezahlten ­
  Obertagsarbeiter  gestaltet  hat.  Die  Notlage  dieser  Arbeiter ­
  und  Familien  ist  unstreitig  sehr  groß,  darum  ihre  wachsende ­
  Mißstimmung  leicht  erklärlich.  Die  unzulängliche  Ernährung ­
  verringert  aber  auch  naturgemäß  die  Arbeitsfähigkeit
der  Leute,  muß  die  Leistung  vermindern  und  die  hohen  Krankheitsziffern ­
  noch  steigern.  Wir  behaupten  darum,  daß  eine  angemessene ­
  Lohnerhöhung  auch  im  Interesse  der  Werksbesitzer
liegt,  weil  sie  den  Arbeitern  eine  bessere  Ernährung  ermöglicht,
und  dadurch  die  gerade  jetzt  so  notwendigen  bergbaulichen
Leistungen  sichert.  Mit  einer  unbegrenzten  Zahl  von  Ueberstunden
  und  Ueberschichten  kann  diese  Sicherstellung  nicht  erreicht ­
  werden.
Die  begreifliche  Mißstimmung  der  Arbeiter  hat  nun  noch
eine  Stütze  bekommen  durch  das  anerkennenswerte  Entgegenkommen, ­
  welches  die  Werksverwaltung  im  benachbarten  holländischen ­
  Kohlenbezirk  ihren  Arbeitern  bewiesen  haben.  Seit
Februar  d.  I.  gewähren  die  holländischen  Werksverwaltungen
ihren  verheirateten  Arbeitern  eine  Kinderzulage,  die  sich  für
jedes  dritte  Kind  und  mehr  pro  Kopf  auf  monatlich  2  Gulden
bemißt.  Da  bekanntlich  der  holländische  Gulden  heute  2  Mk.
(genau  2,04  Mk.)  nach  deutschem  Gelde  gilt,  so  bedeutet  diese
Zulage.schon  eine  ansehnliche  Familienbeihilfe.  Uns  sind  zahlreiche ­
  Fälle  bekannt,  wo  diese  Kinderzulage  6  bis  12  Gulden
monatlich,  also  nach  unserem  Geldwert  12  bis  24  Mk.  ausmacht!
Sodann  haben  aber  die  holländischen  Werksverwaltungen
laut  Schreiben  vom  28.  Oktober  d.  I.  an  die  Vorstände  der  Bergarbeiterorganisationen
  den  Bergwerksarbeitern  eine  allgemeine
Lohnerhöhung  zugesichert,  die  ab  1.  November  in  Kraft  ist.  Durch.
diese  in  aller  Form  schriftlich  zugestandene  Bewilligung  stellt
sich  nun  in  Holland  der  durchschnittliche  Lohn  (nach  dem  jetzigen
Geldwerte)  der  Hauer  auf  8  Mk.,  der  Lehrhauer  ans  7,20  Mk.,
            
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