Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Werksbezirken. Empfangen wurden die Urbeiterdelegierten von 
dem Stellvertreter des Reichskanzlers, Herrn Staatssekretär 
Dr. Hclfferich; regierungsseitig nahmen noch an den Verhand 
lungen teil die ünterstaatssekretäre Herren Wahnschaffe und 
Stein, der Präsident des neuen Kriegs-Ernährungsamtes,, Herr 
von Batocki, und die Vorstandsmitglieder dieses Amtes. — 
Unseren Verband vertraten die Kameraden Sachse und Hue. 
In sehr eingehender und ganz ungeschminkter Weise schil 
derten die Arbeitervertreter die gegenwärtige wirtschaftliche 
Lage der Bergwerksarbeiter.. Wenn auch anerkannt wurde, daß 
die Löhne durchschnittlich, aber sehr unterschiedlich, aufgebessert 
worden seien, so lasse sich doch auch das sehr krasse Mißverhältnis 
zwischen Lohnhöhe und Nahrungsmittelpreisen nicht bestreiten. 
Es könne der Regierung überdies auf Wunsch dokumentarisch 
nachgewiesen werden, daß noch immer Lohnverschlechterungen 
(Gedingeabrisse) vorgenommen würden, direkte und indirekte 
Lohnabzüge, so daß die gewährten Kinder- oder Kriegszulagen 
dorr wieder praktisch aufgehoben seien. (Diese Mitteilungen 
erweckten das besondere Interesse des Herrn Staatssekretärs 
Dr. Helfferich, der Anweisung zwecks näherer Feststellungen der 
Lohn- resp. Gedingeabzüge ergehen lassen will.) 
Immerhin, so führten die Arbeitervertreter weiter aus, 
würden die gegenwärtigen Löhne.etwa auskömmlich sein, wenn 
die Nahrungsmittelpreise nicht so schwunghaft in die Höhe ge 
schnellt wären. Hierfür wurden markante Beispiele aus den 
schlesischen, brandenburgisch-sächsisch-thüringischen, rheinisch-west 
fälischen, saarabischen und süddeutschen Jndustriebezirken ange 
führt. Seien auch bestimmte Lebensmittel knapp und besonders 
gerade jetzt vor der neuen Ernte schwer zu beschaffen, so recht 
fertige das doch in keiner Weise die skandalösen Wucherpreise. 
Die Arbeiter forderten gewiß keine Sondervorteils, sie trügen 
den schweren Zeiterfordernissen in beispielloser Weise Rechnung, 
jedoch müsse eine gerechte Verteilung der vorhandenen Nahrungs 
mittel gefordert werden und die Preise dürften sich nicht in 
wucherischer Höhe bewegen. Große Erbitterung errege auch die 
sehr häufige Wahrnehmung, daß für „bessere Kunden" immer 
noch die Möglichkeit bestehe, Lebensmittel reichlicher einzukaufen, 
sei es. indem in den Kaufläden für diese „Besseren" besondere 
Eingänge eingerichtet, oder daß ihnen „Bestellungen" reserviert 
seien, oder weil die Zahlungsfähigsten immer noch Gelegenheit 
hätten, sich mit angeblicher „Auslandsware" oder tatsächlicher 
Schmuggelware (z. B. Butter) zu versorgen, natürlich zu noch 
höheren als den gewöhnlichen Höchstpreisen. Wer also Geld 
genug habe, der vermöge auch jetzt noch größere Lebensmittel- 
guanten, namentlich fetthaltige, zu bekommen. Das müsse auf-
	        
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