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Der Magistrat der Stadt Hamm hat den Bergarbeitern seit
dem 8. Mai d. I. die Zusatzbrotkarten für Schwerarbeiter ent
zogen. Auch die zahlreich in Hamm vorhandenen Hüttenarbeiter
erhalten die Zusatzbrotkarten nicht mehr. Dieserhalb herrscht
unter den beteiligten Arbeitern eine große Erbitterung. Am
Montag, den 29. Mai d. I., hat eine Bergarbeiterdeputation den
Herrn Oberbürgermeister Mathaei ersucht, die Zusatzbrotkarten
wieder auszugeben, denn es sei den Berg- und Hüttenarbeitern
bei dem Fehlen sonstiger gleichwertiger Nahrungsmittel nicht
möglich, mit der gewöhnlichen Brotration auszukommen. Dies
Ersuchen ist vom Herrn Oberbürgermeister mit der Begründung
abgelehnt worden, daß die Stadt Hamm im letzten Quartal 600
Doppelzentner Mehl zu viel verbraucht habe. Erst wenn dieses
zu viel verbrauchte Mehl wieder gespart sei, könne dem Ersuchen
stattgegeben werden.
Wir möchten zu dem Sachverhalt noch bemerken, daß ^on
heute unter den Bergarbeitern infolge des bestehenden Mangels
an Butter, Fleisch und Fett Unzufriedenheit besteht. Wieder
holt ist uns schon gesagt worden, daß sie (die Bergleute) bald
nicht mehr in der Lage wären, die schwere Grubenarbeit zu ver
richten, wenn nicht bald eine Besserung eintrete.
Durch die Entziehung der Zusatzbrotkarte wird die Arbeits
leistung der Bergleute aber sehr in Frage gestellt. Wir bitten
deshalb das Königliche Generalkommando, nun seinen Einfluß
geltend zu machen, damit den Wünschen der Berg- und Hütten
arbeiter möglichst bald wieder entsprochen wird und auch in der
Stadt Hamm die Zusatzbrotkarten wieder ausgegeben werden.
Hochachtungsvoll ergebenst
Ter Vorstand des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands.
t- » H
Am 14. Juni lief folgende Antwort ein:
Nach den hiesigen Ermittelungen ist die Angabe, daß den Schwer
arbeitern in Hamm (Wests.) die Zusatzmarken zu den Brotkarten ent
zogen worden seien, unzutreffend. Es muß unterschieden werden
zwischen den Zusatzmarken, welche allen männlichen Personen über
1t Jahren zugute kamen, und den besonderen Zusatzmarken für Schwer
arbeiter. Lediglich die ersteren, welche ursprünglich überhaupt nicht
ausgegeben waren, sondern erst später eingeführt wurden, sind seit dem
14. Mai (nicht 8. Mai) 1916 weggefallen. Die Zusatzmarken für die
Schwerarbeiter sind dagegen weder eingezogen, noch für ungültig er
klärt worden. Die Bergarbeiter erhalten sie ebenso unverkürzt weiter,
wie die anderen schwerarbeitenden Personen, und daneben bekommen
sie noch für jede Ueberschicht van vier Stunden unter Tage eine be
sondere Zusatzmarke von einem halben Pfund Brot; sie erhalten also