Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

168 
Reichstage uni beim Herrn Handelsminister vorgetragen worden. 
Durch solche Vorkommnisse, wie wir sie oben geschildert haben, 
wird die Arbeitsfreudigkeit unter den Bergarbeitern sicher nicht 
gefördert. Die Organisationsleitungen haben heute sehr viel 
zu tun, um der vorhandenen Unzufriedenheit über die unge 
nügende Versorgung der Bergleute mit Butter, Fleisch und Fett, 
sowie dem sehr oft auftretenden Lebensmittelwucher zu steuern. 
Durch derartige Vorkommnisse wie auf Westende wird aber nur 
Oel ins Feuer gegossen. Neumann war unser Zahlstellen- 
vcrtrauensmann und besitzt als solcher unter seinen Arbeits 
kameraden großes Vertrauen. Es würde sehr viel zur Beruhi 
gung der Belegschaft beitragen, wenn Neumann wieder vom 
Kriegsdienst entlassen und zur Bergarbeit zurückgeschickt würde. 
Bemerken möchten wir noch, daß Neumann 40 Jahre alt ist und 
dem ungedienten Landsturm angehört. 
Einer geneigten Prüfung und Nachricht entgegensehend, 
zeichnet hochachtungsvoll ergebenst 
Ter Vorstand des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands. 
» * # 
Das Generalkommando erteilte am 24. Juni 1916 folgende 
Antwort: 
Die Zurückstellung eines kriegsverwendungsfähigen Angestellten 
(Bergmann od!er Fabrikarbeiter) erfolgt nur so lange, als die Not 
wendigkeit hiezu auf Grund der Angabe der betreffenden Firma oder 
auf Grund vorgenommener Prüfungen der damit beauftragten Stellen 
anerkannt wird. In Sonderheit sind die Zechen angewiesen, im Aus 
tausch für jeden zu ihnen entlassenen garnisonverwendungsfähigen 
Mann einen kriegsverwendungsfähigen zur Einstellung namhaft zu 
machen. Neumann ist kriegsverwendungsfähig und wurde von der 
Zeche mit fünf anderen Bergarbeitern freigegeben. Es lag mithin für 
das Bezirkskommando kein Grund vor, von einer Einstellung Abstand 
zu nehmen. Es war unrichtig, daß bei der Einziehung vom Bezirks- 
kommnndo die von hier aus vorgeschriebene Frist von 6 Tagen nicht 
eingehalten wurde. 
Von seiten des stellvertretenden Generalkommandos. 
Für den Chef des Stabes: Kühlwetter, Major. 
Bochum, den 31. Mai 1916. 
An das Königliche Generalkommando, Münster. 
Der ergebenst unterzeichnete Vorstand des Verbandes der 
Bergarbeiter Deutschlands gestattet sich, dem Königlichen Gene 
ralkommando folgendes zu unterbreiten: 
...
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.