Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

/ 
Bochum, den 4. Juli 1916. 
An den Vorstand des Kriegsernährungsamtes, z. Händen des 
Herrn Präsidenten von Batocki, Exzellenz, Berlin. 
Der ergebenst unterzeichnete Vorstand des Verbandes der 
Bergarbeiter Deutschlands gestattet sich, Eurer Exzellenz fol 
gendes zu unterbreiten: 
Die jetzt kürzlich den Schwerarbeitern gewährte erhöhte 
Brotration hat unter den Bergarbeitern zweifellos Befriedigung 
hervorgerufen. Leider läßt die möglichst gleichmäßige Vertei 
lung aber noch zu wünschen übrig. So wurden am 23. und 24. 
Juni von mehreren Mitgliedschaften unseres Verbandes Be 
schwerden unterbreitet und sahen wir uns veranlaßt, uns an die 
Herren Landräte der Kreise Bochum, Dortmund und Reckling 
hausen, sowie an die Stadtverwaltung in Herne zu wenden. 
Die Bergleute beschwerten sich zunächst darüber, daß die ihnen 
überwiesenen Mengen nicht gleichmäßig verteilt wurden. Wäh 
rend im Stadt- und Landkreis Bochum, in der Stadt Herne Und 
im Landkreis Recklinghausen alle unterirdisch beschäftigten Berg 
arbeiter, sowie die Koks- und Feuerarbeiter die neuen Zusatz 
brotkarten von 280 Granim Brot pro Tag erhielten, bekamen 
im Landkreise Dortmund nur 40 Prozent der unterirdischen 
Bergarbeiter und 30 Prozent der Feuerarbeiter die neuen Zusatz 
brotkarten. 
Wir wandten uns am 24. Juni in einer telegraphischen Be 
schwerde an das Königliche Oberpräsidium der Provinz Westfalen 
und baten um Abhilfe. Anscheinend ist aber noch keine Aende- 
rrmg eingetreten, denn wir erhalten heute die Mitteilung, daß 
aus den Zechen Adolf von Hansemann in Mengede, Westhausen 
in Westhausen und Teutoburgia in Börnig-Holthausen (alle drei 
Zechen liegen im Landkreise Dortmund) die Verteilung der Zu 
satz-Brotkarten sehr verschieden ist. Während die Zeche Adolf 
von Hausemann den Bergleuten wöchentlich nur drei Zusatz 
brotkarten von je 260 Gramm Brot gibt, erhalten die Bergleute 
der Zeche Westhausen wöchentlich sechs Brotkarten von je 260 Gr. 
Von der Zeche Teutoburgia wird hingegen berichtet, daß zu 
nächst nur solche unterirdisch beschäftigte Bergleute, die verhei 
ratet sind und drei Kinder haben, Zusatzbrotkarten erhielten. 
Vom 26. Juni ab haben dann alle unterirdisch beschäftigten ver 
heirateten Bergleute, die Kinder haben, die Zusatzbrotkarten er 
halten. Die verheirateten kinderlosen und die ledigen Berg 
leute gingen also leer aus. Auf erfolgte Beschwerde wurde den 
Bergleuten gesagt, daß der Arbeiterausschuß den Verteilungs 
plan gutgeheißen habe.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.