Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Bergleuten  den  Speck  io  ausgeben  und  den  Betrag  bei  der
nächsten  Löhnung  in  Abzug  bringen.)
Ein  Bergmann  Hagenkötter  berichtete,  daß  auf  der  Zeche
Bonifatiris  in  Kray  am  14.  und  16.  d.  Mts.  an  die  verheirateten
Bergleute  je  ein  Pfund  Speck  ausgegeben  worden  fei.
Zu  diesen  Beschwerden  möchte  ich  noch  bemerken,  daß  die
Menge  ja  auch  wieder  verschieden  ist.  Während  es  auf  Zeche
Oberhausen  pro  Woche  vier  Pfund  Zusatz  gibt,  erhalten  die
Bergleute  auf  Deutscher  Kaiser  (Schacht  II)  nur  zwei  Pfund.
Tie  schon  bisher  gewährte  Zusatzmenge  von  zwei  Pfund  pro
Woche  wird  überall  weiter  gewährt.  Hier  in  Westfalen  dagegen
erhalten  die  Bergleute  neben  den  alten  Zusatzmengen  pro  Woche
31/0  Pfund  Brot.  Es  zeigt  sich  hier,  daß  eine  allgemeine  Anweisung ­
  fehlt.  Dieser  Fehler  stellt  sich  auch  bei  der  verschiedenartigen ­
  Ausgabe  der  Zusatzkarten  für  Ueberschichten  heraus  und
dürfte  hier  durch  eine  allgemeine  Anweisung  sehr  schnell  eine
Aenderung  zum  Besseren  eintreten.
Daß  die  Ausgabe  von  Speck  und  Fleisch  nicht  überall  erfolgen
kann,  ist  leicht  zu  begreifen.  Aber  auch  hier  muß  es  doch  wohl  an
der  allgemeinen  Anweisung  fehlen,  denn  sonst  dürfte  es  doch
nicht  vorkommen,  daß  aus  Bonisatius  die  ledigen  Arbeiter  überhaupt ­
  nichts  erhalten  haben.  Diese  müssen  doch  auch  arbeiten
und  leben.
Zum  Schluß  gestatte  ich  mir,  in  der  Anlage  noch  die  Abschrift
einer  Eingabe  an  das  Königliche  Landratsamt  in  Hattingen
von:  13.  d.  Mts.  beizufügen.  Bemerken  möchte  ich  noch,  daß  mir
bisher  die  Namen  von  zwei  Bergleuten  bekannt  gegeben  wurden,
denen  die  Zusatzmarken  verweigert  wurden,  weil  sie  in  der  Woche
vom  2.  bis  9.  Juli  je  eine  Schicht  gefeiert  hatten.  Der  Bergmann ­
  Karl  Menken  in  Heven,  Bergstraße  1,  hat  deshalb  eine
Schicht  gefeiert,  weil  er  den  Zug,  der  ihn  in.  die  Nähe  der  Zeche
Dahlhauser  Tiefbau  bringt,  verpaßt  hatte.  Zu  Fuß  konnte
Menten  den  zweieinhalb  bis  dreistündigen  Weg  nicht  zurücklegen. ­
  Ter  Bergmann  Friedrich  Günnemann  in  Westherbede,
Hauptstraße  64,  konnte  eine  Schicht  nicht  anfahren,  weil  er  kein
Brot  hatte.  G.  war  bei  der  Amtsverwaltung  gewesen,  um  Brotscheiue
  zu  empfangen,  er  wurde  jedoch  abgewiesen.  Ohne  Brot
konnte  G.  die  Schicht  nicht  Verfahren.  Der  Bergmann  ist  doch
schon  schwer  genug  bestraft,  wenn  ihm  der  Lohn  für  eine  Schicht
verloren  geht.  Es  ist  doch  nun  nicht  angebracht,  ihm  auch  noch
die  Brotzulage  zu  entziehen.  Durch  ein  solches  Vorgehen  kann  es
ja  dazu  kommen,  daß  die  in  Frage  kommenden  Bergleute  überhaupt ­
  nicht  mehr  in  der  Lage  sind,  weiter  zu  arbeiten.  Schon
wiederholt  sind  uns  Fälle  mitgeteilt  worden,  wo  Bergleute  infolge ­
  Neberarbeit  und  mangelhafter  Ernährung  krank  geworden
            
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