Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

ober  im  Schacht  ohnmächtig  zusammengebrochen  sind.  Nicht
weniger,  sondern  mehr  Brot  sollte  denjenigen  Bergleuten  gegeben ­
  werden,  die  wegen  Brotmangel  mal  eine  Schicht  gefeiert
haben.  Ebenso  steht  es  mit  Fleisch-  und  Fettwaren.  Wenn  der
Bergmann  bei  seiner  überaus  schweren  Arbeit  nicht  die  notwendigen ­
  Fettmengen  dem  Körper  zuführen  kann,  dann  läßt  feine
Arbeitskraft  nach  und  hat  die  Allgemeinheit  den  Schaden.  Deshalb ­
  können  sich  die  Bergleute  auch  nrcht  für  den  Vorschlag  erwärmen, ­
  einige  Zeit  gar  kein  Fleisch  auszugeben.
Indem  ich  hoffe,  daß  ich  mit  den  vorgetragenen  Beschwerden
Ihre  Arbeitskraft  nicht  zu  sehr  in  Anspruch  nehme,  zeichnet
Hochachtungsvoll  ergebenst!
(Unterschrift.)

Eingabe  um  geregeltere  Verteilung  der  Zusatzbrotscheine.
Bochum,  den  13.  Juli  1916.
An  den  Königl.  Herrn  Land  rat  des  Kreises  Hattingen
in  Hattingen.
Sehr  geehrter  Herr  Landrat!
Unser  Vertrauensmann  Karl  Menken  in  Heven,  Bergstr.  1,
teilt  uns  mit,  daß  es  bei  der  Zuteilung  der  Zusatzbrotscheine  für
die  schwerarbeitende  Bevölkerung  durch  die.  Werksverwaltungen
nicht  immer  geregelt  zugehe.  So  würde  auf  der  Zeche  Dahlhauser ­
  Tiefbau  für  jeden  Tag  eine  Karte  für  260  Gramm  Brot
ausgegeben.  Als  am  vergangenen  Sonntagmorgen  die  Scheine
für  die  Nachtschicht  ausgegeben  worden  wären,  hätten  verschiedene ­
  Bergarbeiter  überhaupt  keine  Brotmarken  erhalten.  Auf
die  Frage,  weshalb  sie  ausgeschaltet  würden,  sei  ihnen  erklärt
worden,  sie  hätten  im  Laufe  der  Woche  willkürlich  gefeiert  und
sie  bekämen  deshalb  keine  Zusatzbrotscheine.
Soweit  wie  wir  durch  die  verschiedenen  Konferenzen  mit
dem  Vorstand  des  Kriegsernährungsamtes  informiert  sind,  entspricht ­
  eine  solche  Verteilung  oder  Vorenthaltung  der  Zusatzbrotscheine ­
  nicht  den  gegebenen  Anweisungen.  Es  ist  doch  immerhin ­
  möglich,  daß  ein  Bergmann  bei  der  gegenwärtigen
schweren  Arbeit  und  der  sehr,  sehr  mangelhaften  Ernährung
nicht  in  der  Lage  ist,  alle  Schichten  zu  verfahren.  Weshalb  soll
er  denn  dadurch  bestraft  werden,  daß  ihm  überhaupt  keine  Zusatz-Brotscheine ­
  ausgehändigt  werden?  Wir  meinen,  daß  hier
eine  ungeheure  Härte  vorliegt  und  bitten  Sie,  die  Angelegenheit
Zu  untersuchen,  und  dürfen  wir  wohl  hoffen,  daß  Abhilfe  geschaffen ­
  wird.
Solche  Vorkommnisse  tragen  wesentlich  dazu  bei,  daß  die
Stimmung  in  der  Bergarbeiterschaft  eine  immer  gereiztere  wird.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.