Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

195

der  Arbeiter  nicht  mit  Entlassungen  der  Arbeiter  zu  begegnen
und  nachbarlich  bestehende  Sperren  auszuheben,  da  sie  sonst  nicht
mit  Kriegsgefangenen  bedacht  werden  können.
Wir  sind  gewiß,  daß  solche  Anordnungen  die  Arbeiterschaft
beruhigen  und  die  Werke  sich  hüten  würden,  rigoros  vorzugehen,
sondern  bereit  wären,  einlaufende  Beschwerden  reiflich  zu  prüfen
und  in  ruhiger  Art  und'Weise  darauf  einzugehen,  aber  Entlassungen ­
  von  Beschwerdeführern  zu  vermeiden.
In  der  Kriegszeit  besonders  muß  doch  alles  getan  werden,
die  Arbeiterschaft  nicht  zu  Provozieren  und  so  wie  sich  unsere
Organisation  nachweislich  alle  Mühe  gibt,  sich  ergebende  Differenzen ­
  zwischen  Arbeitern  und  Werksbesitzern  gütlich  zu  schlichten, ­
  kann  dies  doch  auch  von  den  Werksbesitzern  verlangt  werden.
In  der  Hoffnung,  daß  das  Königliche  Kriegsministerium
den  in  Frage  kommenden  Werken,  insbesondere  dem  Eintrachtwerk, ­
  mitteilt,  daß  es  jede  Entlassung  aus  Anlaß  von  Beschwerden ­
  verurteilt  und  anordnet,  daß  bestehende  Sperren  aufgehoben ­
  werden  unter  Androhung  der  Entziehung  der  beschäftigten ­
  Kriegsgefangenen  sowie  einer  geneigten  Antwort  entgegensehend, ­
  zeichnet  hochachtungsvoll  usw.

Eingabe  um  Regelung  der  Lebensmittelverteilung
auf  Zeche  Camphausen.
Bochum,  den  20.  Juli  1916.
An  den  Präsidenten  des  Kriegsernährungsamtes,
Herrn  von  Batocki,  Exzellenz,  Berlin.
Der  unterzeichnete  Vorstand  des  Verbandes  der  Bergarbeiter ­
  Deutschlands  gestattet  sich,  Ew.  Exzellenz  folgendes  zu
unterbreiten:
Es  ist  ja  vom  Kriegsernährungsamt  verfügt  worden,  daß
den  Schwerarbeitern  in  der  Kriegsindustrie  erhöhte  Stationen
an  Brot,  Mehl  und  sonstigen  Lebensmitteln  gewährt  werden.
Anscheinend  ist  diese  Verfügung  aber  noch  nicht  überall  in  die
Tatsache  umgesetzt,  denn  aus  dem  Saarrevier  wird  uns  von  der
fiskalischen  Zeche  Camphauscn  mitgeteilt,  daß  die  Arbeiter  Wohl
in  den  Zeitungen,  vor  allen  Dingen  in  der  „Bergarbeiter-Zeitung", ­
  gelesen  hätten,  daß  die  Schwerarbeiter  mehr  Brot,  Fleisch,
Margarine  und  Hülsenfrüchte  haben  sollten,  daß  aber  dort  im
Saargebiet  bisher  noch  nichts  davon  zu  spüren  gewesen  sei.  Sie
hätten  auch  unter  großem  Mangel  an  Kartoffeln  zu  leiden  gehabt. ­
  Ferner  habe  es  sehr  oft  an  Butter  und  Fett  gefehlt.  So
13*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.