Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

Alles in allem glauben wir, daß die Entwicklung des Verdienstes 
der Bergarbeiter sich in einer Weise vollzogen hat und weiter vollzieht, 
die den gestiegenen Lebensunkosten, soweit die Verschiedenheit der Ver 
hältnisse der Zechen es ermöglicht, Rechnung trägt und daß, wenn 
zurzeit die Ernährungsschwierigkeiten drückend empfunden werden, da- 
fiir nicht sowohl der Stand der Löhne der Grund ist, als solche Um 
stände, die durch die Maßnahmen unserer Feinde bedingt sind. ■ 
Den in der Eingabe geäußerten Wunsch, daß die Kinderzulage 
im Lohnbuch besonders aufgeführt werde, sind wir gern bereit, an 
die Verbandszechen, die dies bisher noch nicht getan haben sollten, 
empfehlend weiterzugeben. Im übrigen halten wir die Mitberücksich 
tigung der Kinderzulage bei Berechnung des Durchschnittslohnes für 
sachlich richtig, um so mehr, als sie auch bei den Beiträgen für die 
Knappschafts - Berüfsgenossenschast und den Knappschaftsverein zum 
Vorteil der Arbeiter in den Lohn eingerechnet wird. Innerhalb des 
Durchschnittslohnes bildet die seit März d. I. gewährte Kinderzulage 
gerade für diejenigen Familien, die durch die Verteuerung der Lebens 
haltung am meisten betroffen werden, einen gewissen Ausgleich. 
Was die beantragte Früherlegung der Lohn- und Abschlagstage 
anlangt, so handelt es sich hierbei um eine Frage, die von den Zechen 
verwaltungen schon wiederholt aufs eingehendste erwogen worden ist. 
In keinem anderen Berufe des gewerblichen Lebens ist aber die Frage 
der Lohnbewegung so schwierig und verwickelt, wie im Bergwerks 
betriebe. Die Arbeitsleistung der unter Tage beschäftigten Kamerad 
schaften setzt sich zumeist aus einer Reihe besonders bezahlter Einzel- 
leistungen zusammen, die erst am Ende eines jeden Monats festgestellt 
werden können und die die Grundlage zur Errechnung der Brutto 
lohnsumme gibt. Diese muß dann nach Maßgabe der Zahl der von 
jedem Kameradschaftsmitgliede verfahrenen Schichten und unter Ab 
rechnung der Beträge für Sprengstoffe usw. auf den einzelnen Mann 
umgelegt werden. Außerdem müssen sämtliche Lohnberechnungen durch 
die Bureaubeamten nachgeprüft, auch die für die soziale Versicherung, 
für gelieferte Kohlen, Lebensmittel usw. vorzunehmenden Abzüge ver 
rechnet und endlich die gesamten einzelnen Lohnnachweisungen zu- 
sammenzestellt werden. So erklärt es sich, daß bei der sehr erheb 
lichen Arbeiterzahl auf den hiesigen Zechen längere Zeit bis zur end 
gültigen Feststellung der dem einzelnen Arbeiter zu zahlenden Lohn- 
summe vergeht. 
Eine Abkürzung der für die Lohnberechnung erforderlichen Zeit 
wäre nur durch eine wesentliche Vermehrung der Beamten zu er 
reichen, die gegenwärtig aber unmöglich ist. Im übrigen darf nicht 
unberücksichtigt bleiben, daß durch die auf den Zechen allgemein statt 
findenden Abschlagszahlungen tatsächlich die Lohnzahlung eine 14tägige 
ist. Hinsichtlich der neu in den Bergbau eintretenden und der aus 
dem Heeresdienst zur Arbeit zurückkehrenden Bergleute sind die 
Zechenverwaltungen, wie sie dies bereits im Juni v. I. auf eine An
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.