Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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stellen  den  Gelben  sogar  besondere  Räume  für  die  Verteilung
zur  Verfügung.  Die  Belegschaften  glauben  deshalb,  daß  auch
die  Waren  mit  Hilfe  der  Zechen  oder  ihrer^Zechen-Konsumanstalten
  den  Gelben  zugeschoben  werden.  Schon  das  macht
böses  Blut.
Wenn  die  gelben  Vereine  es  machten  wie  die  Konsum-Vereine,
  d.  h.  nur  jedem  Mitglied  den  zuständigen  (rationierten)
Teil  geben  würden,  so  wäre  dagegen  nichts  einzuwenden.  Aber
das  tun  die  Gelben  nicht.  Sie  geben  immer  noch  Waren  ab,
ohne  nach  der  behördlichen  Rationierung  zu  fragen.,  Sie  treten
also  die  behördlichen  Verordnungen  mit  Füßen.  Es  empört  die
anderen  Arbeiter  mit  Recht,  daß  so  die  Mitglieder  der  Gelben
ersichtlich  mit  Hilfe  der  Zechen  eine  besondere  Bevorzugung
genießen.
So  wurde  nach  uns  gemachten  Meldungen  noch  am  7.  Aug.
auf  Zeche  Carolinen  glück  in  Bochum  von  den  Gelben
Mehl,  Wurst,  Käse,  .Kaffee-Ersatz  und  Marmelade  an  die  Mitglieder ­
  abgegeben.  Auf^Zeche  Dannenbaum  l  bei  Bochum
werden  noch  .  jeden  Sonnabend  Eier,  Butter,  Marmelade
usw.  an  die  Gelben  verkauft.  Auf  Zeche  G  u  st  a  v  in  Essen
wurden  Seife,  Käse  und  Kaffee-Ersatz  von  den  Gelben  an  ihre
Mitglieder,  für  die  Belegschaft  der  Zeche  Viktor  Matthias
in  Essen  am  4.  August  an  die  gelben  Mitglieder  in  der  Wohnung
des  Vorsitzenden  Terjung,  Hermannstraße  60,  Seife,  Heringe
und  Kaffee-Ersatz  abgegeben.  Auch  in  der  Wohnung  des  gelben
Vorsitzenden  Völkens  in  Stoppenberg  bei  Essen,  Glückaufstr.  7,
wurden,  gleichfalls  dieser  Tage,  noch  Seife,  Grießmehl,  ^Käse
und  Marmelade  an  die  gelben  Belegschaftsmitglieder  der  Stinneszeche
  Ernestine  verkauft.
,  Neben  Mehl,  Fleisch,  Wurst,  Eiern,  Butter,  ist  auch  Seife  hier
rationiert.  Wir  bitten  das  Kriegsernährungsamt  dringend,
Ordnung  zu  schaffen  und  für  eine  gerechte,  strenge,  gleichmäßige
Verteilung  Sorge  zu  tragen.
Aber  auch  bei  der  direkten  Verteilung  von  Lebensmitteln
seitens  der  Zechenverwaltungen  haben  sich  beunruhigende  Mißstände ­
  bemerkbar  gemacht.  Der  vom  Kriegsernährungsamt  angewiesene ­
  Speck  (i  Kilogramm  für  jeden  Arbeiter)  ist  nicht  nur
zu  den  verschiedensten  Preisen  von  den  Zechen  abgegeben  worden
-  der  Preis  schwankte  zwischen  2,30—4,00  Mk—,  sondern  viele
Zechen  haben  nur  1  Pfund,  manche  auch  nur  1^  Pfund  statt
2  Pfund  hergegeben.  Die  Zeche  Matthias  Stinnes  in
Carnap  gab  den  Speck  nur  an  Leute,  die  vier  Kinder  und  darüber ­
  haben.  Die  Mißstimmung  der  Arbeiter  über  diese  Mißwirtschaft ­
  ist  wirklich  groß.
Ebenso  ist  die  Verteilung  der  Brot-Zusatzmarken  für  die
Bergleute  eine  sehr  willkürliche,  weil  ungleich  und  ungerecht.
Manche  Zechen  geben  pro  Woche  nur  für  2  Pfund  Brot-Zusatz-
            
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