Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

- 234 
zu schenken und den ergebenst unterzeichneten Vorständen der 
Bergarbeiterorganisationen Gelegenheit zu einer persönlichen 
Aussprache in dieser Angelegenheit zu geben. 
Es zeichnen ehrerbietigst! 
(Folgen die Unterschriften der Vorstände der vier Verbände.) 
* # * 
Diese Eingabe hatte den Erfolg, daß bei Ueber- und Neben 
arbeiten an Samstagen und Sonntagen 30 bis 60 Prozent Zu 
schlag auf verschiedenen Zechen gezahlt wird. 
Auch verschiedene Schiedshöfe haben sich schon für den Zu 
schlag ausgesprochen, so daß Wohl in Bälde eine allgemeine An 
ordnung der Zechenverwaltungen in dieser Hinsicht zu erwarten 
ist. 
Dir Vorstände der Bergarbcitcrvcrbände im 
Kricgsernähruugsamt. 
Eine Herabsetzung der Kartoffelrationen im Ruhrbecken ries 
eine lebhafte Erregung, besonders bei den Schwerstarbeitern, 
hervor. Die vier Bergarbeiterverbände sahen sich deshalb ver 
anlaßt, folgendes Telegramm an das Kriegsernährungsamt ab 
zusenden: 
..Die Bergarbeiterverbände ersuchen bringend um Beibehaltung 
der bisherigen Kartoffelraiion. Die angekündigte Herabsetzung hat zu 
großen Beunruhigungen geführt, die ständig zunehmen und zu den 
ernstesten Befürchtungen Veranlassung geben." 
Das Kriegsernährungsamt antwortete: 
.Zum Telegramm vom 16. Januar wird mitgeteilr, daß Not- 
standslleferung bereits im Gange. Se. Exzellenz der Präsident des 
.Kriegsernährungsamts läßt die Unterzeichneten des Telegramms bitten, 
sich am Samstag, den 20. Januar, 4 Uhr nachmittags, im Kriegser 
nährungsamt bei ihm einzufinden. 
Kriegsernährnn gsa mt." 
Die Besprechung fand auch statt. Die Führer der Verbände 
schilderten ausführlich die Situation im Ruhrrevier, die auch 
neben dem Telegramm in einer Eingabe geschildert worden war, 
und trugen die Wünsche der Bergarbeiter in der Ernährungs- 
srage vor. Sie wandten sich gegen die Herabsetzung der Rationen 
und verlangten energisches Vorgehen gegen die hohen Preise für 
sogenannte „Auslandswaren", die von Zechen und Hüttenwerken 
an die Belegschaften geliefert werden- Auch die Entziehung dei 
Brot-Zusatzmarken bei Feierschichten und Krankheiten wurde zur 
Sprache gebracht und um Abhilfe gebeten. Die Verhandlungen 
dauerten Stunden. Amtlicherseits wurde erklärt, daß es 
nicht niöglich sei. die Kartoffelration zu erhöhen, weil man die 
Steckrüben nicht verderben lassen wolle, man wolle auch er° 
reichen, daß die Kartoffeln bis zur nächsten Ernte zulangen. In 
etwa 6 Wochen fochten die Kartoffelrationen wieder, und zwar
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.