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zu schenken und den ergebenst unterzeichneten Vorständen der
Bergarbeiterorganisationen Gelegenheit zu einer persönlichen
Aussprache in dieser Angelegenheit zu geben.
Es zeichnen ehrerbietigst!
(Folgen die Unterschriften der Vorstände der vier Verbände.)
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Diese Eingabe hatte den Erfolg, daß bei Ueber- und Neben
arbeiten an Samstagen und Sonntagen 30 bis 60 Prozent Zu
schlag auf verschiedenen Zechen gezahlt wird.
Auch verschiedene Schiedshöfe haben sich schon für den Zu
schlag ausgesprochen, so daß Wohl in Bälde eine allgemeine An
ordnung der Zechenverwaltungen in dieser Hinsicht zu erwarten
ist.
Dir Vorstände der Bergarbcitcrvcrbände im
Kricgsernähruugsamt.
Eine Herabsetzung der Kartoffelrationen im Ruhrbecken ries
eine lebhafte Erregung, besonders bei den Schwerstarbeitern,
hervor. Die vier Bergarbeiterverbände sahen sich deshalb ver
anlaßt, folgendes Telegramm an das Kriegsernährungsamt ab
zusenden:
..Die Bergarbeiterverbände ersuchen bringend um Beibehaltung
der bisherigen Kartoffelraiion. Die angekündigte Herabsetzung hat zu
großen Beunruhigungen geführt, die ständig zunehmen und zu den
ernstesten Befürchtungen Veranlassung geben."
Das Kriegsernährungsamt antwortete:
.Zum Telegramm vom 16. Januar wird mitgeteilr, daß Not-
standslleferung bereits im Gange. Se. Exzellenz der Präsident des
.Kriegsernährungsamts läßt die Unterzeichneten des Telegramms bitten,
sich am Samstag, den 20. Januar, 4 Uhr nachmittags, im Kriegser
nährungsamt bei ihm einzufinden.
Kriegsernährnn gsa mt."
Die Besprechung fand auch statt. Die Führer der Verbände
schilderten ausführlich die Situation im Ruhrrevier, die auch
neben dem Telegramm in einer Eingabe geschildert worden war,
und trugen die Wünsche der Bergarbeiter in der Ernährungs-
srage vor. Sie wandten sich gegen die Herabsetzung der Rationen
und verlangten energisches Vorgehen gegen die hohen Preise für
sogenannte „Auslandswaren", die von Zechen und Hüttenwerken
an die Belegschaften geliefert werden- Auch die Entziehung dei
Brot-Zusatzmarken bei Feierschichten und Krankheiten wurde zur
Sprache gebracht und um Abhilfe gebeten. Die Verhandlungen
dauerten Stunden. Amtlicherseits wurde erklärt, daß es
nicht niöglich sei. die Kartoffelration zu erhöhen, weil man die
Steckrüben nicht verderben lassen wolle, man wolle auch er°
reichen, daß die Kartoffeln bis zur nächsten Ernte zulangen. In
etwa 6 Wochen fochten die Kartoffelrationen wieder, und zwar