Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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halten,  sofern  sie  Massenspeisungen  eingeführt  haben,  eine  Fettzulage
von  40  Gramm  pro  Woche  und  Arbeiter,  sofern  sie  keine  Massenspeisungen ­
  eingeführt  haben,  25  Gramm  pro  Kopf  und  Woche.
Bezüglich  der  Nährmittel  (es  handelt  sich  hier  um  Suppengemüse,
von  der  seinerzeit  1250  Gramm  versprochen  wurden.  D.  Red.)  bleibt
es  bei  der  zurzeit  im  Gange  befindlichen  Regelung,  die  eine  erheblich
höhere  Verteilung  bewirkt,  außerdem  soll  angestrebt  werden,  daß  je
nach  den  verfügbaren  Beständen  den  Betrieben  eine  besondere  Zulage
gegeben  wird.
Die  auf  diese  Weise  von  mir  zur  Verfügung  gestellten  Mengen
stellen  das  Höchstmaß  dessen  dar,  was  zurzeit  auf  Grund  der  vorhandenen ­
  Bestände  geliefert  werden  kann.  Ich  würde  es  mit  besonderem ­
  Danke  begrüßen,  wenn  auch  von  dort  die  Bergarbeiter  darüber
aufgeklärt  würden,  daß  die  Lage  der  Lebensmittelversorgung  Deutschlands ­
  zurzeit  eine  weitere  Zuweisung  nicht  zuläßt.
Wegen  der  sonstigen  Klagen  werden  noch  Ermittelungen  angestellt.
Der  Präsident  des  Kriegsernährungsamts."

Bcrgnrbeiterstrciks  im  Ruhrrevier.
Berlin  (Reichstag),  den  22.  Februar  1917.
An  den  Chef  des  Kriegsamtes,
Herrn  Generalleutnant  Gräne  r,  Exzellenz.
Ter  der  gestrigen  persönlichen  Aussprache  über  die  Bergarbeiterstreiks ­
  int  Ruhrrevier  baten  mich  Ew.  Exzellenz  um  eine
schriftliche  Schilderung  ihrer  Ursachen.  Ich  beeile  mich,  im
Nachstehenden  dem  Wunsche  in  aller  Kürze  zu  entsprechen.
Die  Streiks  hängen  in  der  Hauptsache  mit  der  Ernährungsfrage ­
  zusammen.  Die  Lohnfrage  spielt  deshalb  eine  Rolle,  weil
die  überaus  teuren  Lebensrnittel  mit  so  niedrigen  Löhnen  nicht
in  den  erforderlichen  Mengen  gekauft  werden  können.
,  Die  ersten  Streiks  entstanden  auf  Zechen  im  Ruhrrevier
:  Anfana  Fanuar  1917,  und  zwar  hauptsächlich  auf  solchen
I  Kohlenzechen,  die  großen  Hüttenwerken  gehören;  so  aus  Zeche
Westende,  die  dem  Phönixkonzern  gehört,  auf  Zeche  Engelsburg,
die  dem  „Bochumer  Verein"  gehört,  und  auf  der  Kruppzeche
Sälzer-Neuack,  die  mitten  in  Kruppschen  Werken  liegt.  Ebenso
sind  die  Streiks  auf  den  Zechen  Deutscher  Kaiser,  die  den  Thyssenwerken ­
  gehören,  auf  dieselbe  Ursache  zurückzuführen.
Die  ersten  Streiks  nach  Weihnachten  begannen,  als  die  Kar-I
  toffelration  ans  drei  Pfund  herabgesetzt  wurde.  Die  vier  Bergarbeiterverbände ­
  protestierten  vergeblich  dagegen.  Diese  Herabsetzung ­
  traf  zwar  die  Schwerstarbeiter  direkt  nicht,  aber  doch  indirekt ­
  weil  ihre  Familien  je  nach  der  Stärke  8  bis  12  Pfund
Kartoffeln  wöchentlich  weniger  erhielten.  Die  eingekellerten
Kartoffeln  hatten  viele  Familien  schon  aufgezehrt,  sie  erhielten
gar  keine  Kartoffeln.
            
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