Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Dann  haben  wohl  alle  Hüttenwerke  an  ihre  Arbeiter  viele
Extrarationen  von  Speck,  Fleisch  und  anderen  Lebensmitteln
verteilt.  Die  zu  denselben  Werken  gehörenden  Bergarbeiter  erhielten ­
  nichts  oder  nur  selten  etwas,  und  diese  erhielten  auch
geringere  Löhne  als  jene.  >so  verteilte  kurz  vor  Weihnachten
der  „Bochumer  Verein"  an  seine  Hüttenarbeiter  in  einer  Woche
ein  paar  Pfund  Speck,  die  Bergarbeiter  der  Zeche  Engelsburg,
dicht  am  Bochumer  Verein  gelegen  und  ihm  gehörend,  erhielten
so  gut  wie  gar  nichts.  Auf  Engelsburg  sind  die  organisierten
Bergleute  sehr  schwach,  die  wiktschwftIfriddlichen  (Gelben)  aber
sehr  stark  vertreten.  Trotzdem  ein  ziemlich  einheitlicher  Streik.
Genau  so  war  das  Verhältnis  auf  der  Kruppzeche  Sälzer-Neuack
in  Essen.  Die  Gelben  streikten  alle  mit.  Die  Erregung  war
groß.  Eine  große  Anzahl  anderer  Zechen  traten  mit  in  den
Streik.  Es  gab  ja  nicht  einmal  die  geringe  Kartoffelration,  ja
einige  Gemeinden  hatten  auch  keine  Rüben  mehr  oder  verabreichten ­
  ganz  erfrorene  Rüben.  Auch  die  Fleischration  wurde  zur
selben  Zeit  nicht  geliefert.  Kein  Wunder,  wenn  die  Arbeiter
verzweifelten.  Andere  Kohlenzechen,  die  der  Landwirtschaft
Ammoniak  liefern,  bekamen  von  der  Landwirtschaft  größere
Mengen  Lebensmittel,  die  die  Belegschaften  und  die  Beamten
erhielten.  Andere  Zechen,  die  kein  Ammoniak  produzieren,
konnten  wieder  gar  nichts  für  ihre  Arbeiter  beschaffen.  Die  fiskalischen ­
  Zechen  im  Ruhrrevier,  ebenso  die  im  Saarrevier,  beschaffen ­
  ebenfalls  solche  besonderen  Lebensmittel  für  ihre  Belegschaften, ­
  weil  ohne  solche  Extrarationen  nicht  auszukommen  ist.
Auch  der  Preisunterschied,  der  bei  den  verteilten  Lebensmitteln ­
  zum  Vorschein  kam,  hat  viel  Erregung  erzeugt.  Manche
Zechen  nahmen  für  sogenannte  —  meist  in  Deutschland  produzierte ­
  —  Auslandsware  doppelt  so  hohe  Preise,  als  andere
Zechen.  So  wurde  Speck  von  der  einen  Zeche  zum  Preise  von
4  Mark,  von  anderen  zu  6  bis  7,60  Mark,  Fleisch  zum  Preise  von
3,60  bis  6,60  Mark  abgegeben.  Wurst  gab  es  zum  Preise  von
2  Mark  auf  der  einen,  bis  zu  7  und  8  Mark  auf  anderen  Zechen.
Auch  für  Bohnen  nahmen  Zechen  oder  Hüttenwerke  60  Pf.,
andere  Zechen  1,56  Mark  das  Pfund:  für  Erbsen  sogar  1,87  Mark
für  das  Pfund,  während  Hüttenwerke  auch  für  60  Pf.  das  Pfund
abgaben.
Ohne  solche  Extrarationen  kann,  wie  gesagt,  auch  die  so
schwere  Arbeit  leistende  Bevölkerung  nicht  bestehen.  Namentlich ­
  könnten  ohne  sie  nicht  so  viel  Ueberschichten  geleistet  werden.
Das  Kriegseruährunzsamt  hat  fast  alle  seine  Versprechungen
für  die  Schwer-  und  Schwerstarbeiter  nicht  gehalten,  teilweise
sogar  widerrufen.  So  fuhr  vom  Regierungsbezirk  Düsseldorf
eine  Deputation  von  Kriegsausschüssen  der  Schwerstarbeiter
(Herr  Geheimrat  Simon,  ein  Werksdirektor  und  der  Vorsitzende
            
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