Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Zu 4. Die durch den Krieg verteuerte Lebenshaltung bringt 
es init sich, daß Leistungen der Krankenkassen, die früher an 
gemessen erschienen, heute nicht mehr ausreichen. Der Geldwert 
ist gesunken und muß damit auch bei Festsetzung der Kranken- 
nnterstützungen gerechnet werden. Leider gibt es aber heute 
noch Krankenkassen, von denen man wirklich nicht behaupten 
kann, daß sie mit der Zeit vorwärts schreiten. 
Do lautet der § 15 der Weilburger Bezirks-Knappschafts- 
Krankenkasse: 
„Die Kassenmitglieder werden in folgende Klassen eingeteilt: 
a) Männli ch e. I. Kl.: Jugendliche Arbeiter; Grundlohn 
1,150 Ml. II. Kl.: Arbeiter über 16 Jahren mit einem täglichen 
Arbeitsverdienst bis zu 2,80 Mk.; GruNdlohn 2,60 Mk. III. Kl.: 
Arbeiter mit einem täglichen Arbeitsverdienst über 2,80 Mark; 
Grundlohn 3 Mk. IV. Kl.: Beamte und Arbeiter in gehobener 
Stellung; Grundlohn 4 Mk. 
b) Weibliche. I. Kl.: Jugendliche Arbeiterinnen; Grund 
lohn 1 Mk. II. Kl. Arbeiterinnen über 16 Jahren; Grundlohn 
i.so m.“ 
Der § 16 bestimmt dann, daß das Krankengeld die Hälfte 
des Grundlohns beträgt. Jugendliche erhalten demnach ein 
Krankengeld von <5 Pf. täglich. In der II. Klasse gibt es 1,30 
Mark. Arbeiter, die über 2,80 Mk. verdienen, und das sind die 
Hauer und Familienväter, bekommen täglich 1,50 Mk. Kranken 
geld! Man muß in dieser.Kasse schon eine „gehobene Stellung" 
einnehmen oder Beamter sein, um 2 Mk. bei Krankheit zu 
empfangen! 
Die Knappschafts-Krankenkasse Ems sieht fünf Klassen zuin 
Bezüge von Krankengeld vor. In der t. Klasse sind die Beamten 
mit einem Krankengeldbezug von 2,60 Mk. täglich. Die V. (die 
höchste Arbeiter-Lohnklasse) ist für die männlichen Mitglieder 
über 21 Jahre, also diejenigen, welche in ihrer Mehrheit Fa 
milienväter sind. Für diese am besten entlohnten Arbeiter ist 
ein Krankengeld von 2 Mark festgesetzt. 
. Es gibt noch eine ganze Anzahl von Kassen mit derart 
niedrigen Leistungen, und bedarf es wohl nicht erst des Hin 
weises, daß solche Krankenkassenleistungen in jetziger Zeit doch 
etwas zu minimal sind und dringend der Aufbesserung bedürfen. 
Tie Mitglieder sind sicher gerne bereit, höhere Beiträoe zu 
Zahlen, wo dies zur Aufbesserung der Leistungen notwendig ist, 
und ist auch von den Herren Werksbesitzern wohl kein Sträuben 
dagegen zu erwarten. 
In der. Hoffnung, daß die Herren Ausschußmitglieder und 
Teilnehmer der Generalversammlung dieses Gesuch berück 
sichtigen und bittend, demgemäße Beschlüsse fassen zu wollen, so-
	        
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