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spruch auf Rente abgewiesen werden, obwohl er schon seit 25
Jahren in Deutschland beschäftigt ist, nie daran dachte, wieder in
seine Heimat zurückzukehren, sondern schon vor dem Ausbruch des
Krieges seine Naturalisation beantragte. Ein Sohn von ihm
arbeitet als Bergmann auf der Grube Konkordia in Oberhausen,
eine Tochter tut Dienste im Gefangenenlager zu Oberhausen,
also eine Familie, gegen die sicher nicht der Verdacht deutschfeind
licher Gesinnung bestehen kann. Im Oberversicherungsamt selbst
wurde bedauert, daß diesem Unfallverletzten keine Rente zuge
sprochen werden kann, da dem die Entscheidung des Reichsver
sicherungsamtes vom 5. 10. 16 im Wege stehe.
Diese Angehörigen feindlicher Staaten, die ihre Arbeits
kräfte schon seit Jahrzehnten der deutschen Industrie geliehen
haben, fühlen sich nun sehr benachteiligt gegenüber jenen Aus
ländern, die man erst in jüngster Zeit, und zwar viele von ihnen
mit Zwang nach Deutschland überführte, sie aber unter die Für-
scrge der sozialen Gesetzgebung stellte.
Nach einer Erhebung des Bergbaulichen Vereins für Rhem-
land-Westfalen waren im Frühjahre 1917 1661 Italiener auf den
Zechen in Rheinland-Westfalen beschäftigt, die schon vor dem
Kriege in Deutschland waren und keine Sehnsucht empfanden,
nach Italien zurückzukehren, um gegen Deutschland zu kämpfen,
sondern gewillt sind, in ihrer Wahlheimat, wo sie immer ihr Brot
fanden, zu bleiben.
Wir bitten deshalb den Bundesrat, eine Verordnung her
ausgeben zu wollen, damit auch die vorgenannten Angehörigen
feindlicher Staaten, die schon längere Zeit in Deutschland sind
und nicht erst von der Heeresleitung während der Kriegszeit zur
Arbeitsaufnahme veranlaßt wurden, als versicherungspflichtig
gelten, und zwar vom Beginn des Krieges an.
In der Hoffnung, daß unsere Eingabe Berücksichtigung
findet, damit die Angehörigen feindlicher Staaten, welche schon
immer deutschfreundlich waren und heute noch sind, nicht geschä
digt werden, zeichnet
mit hochachtungsvollem Glückauf!
(Folgt Unterschrift.)
^Am 15. Juli fanden in Zwickau und Lugau von der Bezirks
leitung des Bergarbeiterverbandes einberufene Grubenvertrau-
ensmännerkonferenzen statt,die sich eingehend mitderjetzigenLage
der Bergarbeiter beschäftigten und zu neuen Lohnforderungen
Stellung nahmen. In der Aussprache wurden die leidenschaft
lichsten Klagen zum Ausdruck gebraD und beschlossen, nach
stehende Eingabe an den bergbaulichen Verein zu senden:
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