Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

verständige,  darunter  auch  Arbeitervertreter,  die  Angaben  der
Werksbesitzer  über  ihre  Selbstkosten  und  Betriebsgewinne  nachprüfen ­
  zu  lassen.  Sollte  sich  dabei  Herausstellen,  daß  ohne  eine
besondere  staatliche  Hilfsaktion  eine  den  Teuerungsverhältnissen
wenigstens  einigermaßen  entsprechende  Lohnaufbesserung  nicht
möglich  ist.  so  halten  auch  wir  diese  Hilfsaktion  für  unbedingt
geboten.  Sie  könnte  bestehen  in  einer  der  niederschlesischen  Kohle
günstigeren  Regelung  der  Eisenbahntarife,  auch  in  einem  Preiszuschlag ­
  für  die  unmittelbar  an  die  staatlichen  Verwaltungen  zu
liefernden  Kohlen  aus  Niederschlesien,  oder  auch  in  einem  besonderen ­
  finanziellen  Staatszuschuß  zu  den  Löhnen  auf  solchen
Werken,  die  nachweislich  unter  den  gegenwärtigen  Verhältnissen
die  als  berechtigt  anerkannten  Lohnforderungen  nicht  bewilligen
können.  Nach  unserer  Kenntnis  der  Sachlage  sind  nämlich
keineswegs  alle  niederschlesischen  Kohlenreviere  außerstande,
höhere  als  die  zugestandenen  Löhne  zu  zahlen.  Hier  könnte  ein
Ausgleich  durch.besondere  staatliche  Zuwendungen  die  erforderliche ­
  Hilfe  bringen-Wir
  gestatten  uns,  Ew.  Exzellenz  darauf  aufmerksam  zu
machen,  daß  die  niederschlesischen  Kohlenbergleute  selbst  im  Vergleich ­
  zu  ihren  Berufsgenossen  außerordentlich  niedrig  entlohnt
werden.  Nach  der  amtlichen  Lohnstatistik  haben  in  Niederschlesien
  die  Durchschnittslöhne  pro  Schicht  betragen:
im  2.  Viertel  1914  im  1-  Vierte!  1917

1.  Lohnklasse

3.93  Mark

5,33  Mark

2.

3,49  „

4,70  „

3.

3,17  „

4,00  „

4.

1.34  „

2,27  „

6.

1,73  „

2,40  „

Im  1.  Quartal  191,  stand  der  Durchschnittslohn  der  1.  Lohnklasse ­
  (Hauergruppen)  in  Oberschlesien  auf  7,16  Mark,  im  Ruhrgebiet ­
  auf  9,33  Mark,  im  Saargebiet  auf  7,08  Mark,  im  Wurmgebiet ­
  (Aachen)  auf  7,61  Mark,  Niederrhein  auf  9,15  Mark.
Durch  Entscheidungen  der  Schlichtungsausschüsse  wurden  bereits
im  März  d.  Js-  die  Ruhrgebietslöhne  auf  10,60  Mark,  im  Juli
die  oberschlesischen  Hauerlöhne  auf  10  Mark  normiert.  Demgegenüber ­
  ist  selbst  der  jetzt  den  niederschlesischen  Hauern  bewilligte ­
  Durchschnittslohn  von  7  Mark  zweifellos  als  außerordentlich ­
  niedrig  zu  bezeichnen.  Bereits  vor  dem  Kriege  litten
die  niederschlesischen  Bergleute  unter  so  mißlichen  Lohnverhältnissen, ­
  daß  sic  scharenweise  ihre  Heimat  verließen,  wodurch  dem
dortigen  Bergbau  eine  große  Zahl  tüchtigster  Arbeitskräfte  verloren ­
  ging.  Das  ist  auch  eine  Ursache  der  von  den  Werksvertretern ­
  hervorgehobenen  Senkung  der  Förderung  pro  Arbeiter.
Durch  die  seit  Kriegsausbruch  eingetretene  gewaltige  Preissteigerung ­
  für  die  notwendigsten  Lebensmittel  ist  das  Mißverhältnis
zwischen  Einkommen  und  Lebenskosten  der  arbeitenden  Bevöl-
            
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