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Auf unser auch der Kriegsamtsstelle abschriftlich übermit
teltes Gesuch an den Bergbaulichen Verein für Zwickau und
Lngan-Oelsnih vom 11. Februar d- Js. um nochmalige Prüfung
der von uns unterm l8. Dezember 1917 eingereichten Forderun
gen hat der genannte Verein unterm 1. ix Mts. folgendes ge
antwortet :
„Unsere Mitglieder sind in der Lohnfrage bereits soweit
entgegengekommen, als es ihnen möglich war.
Ans den in den Zeitungen wiedergegebenen Geschäftsbe
richten der öffentlich Rechnung legenden Unternehmungen des
Zwickauer und Lugau-Oelsnitzer Reviers werden Sie ersehen
haben, daß die geschäftlichen Ergebnisse einer Anzahl von
Werken ini Jahre 1917 gegenüber dem Vorjahre, und noch
mehr gegenüber der Friedenszeit, erheblich zurückgeblieben
sind.
Die vorgenommenen Preiserhöhungen sind so bemessen,
daß die den Werken erwachsenden Mehrkosten gerade gedeckt
werden.
Die Frage der Schichtzeit kann nicht einheitlich geregelt
werden, da die Verhältnisse auf den einzelnen Werken hier
für zu verschieden sind. Hiervon abgesehen aber scheint uns
gerade die jetzige Zeit, wo eine möglichst hohe Kohlenförderung
im vaterländischen Interesse anzustreben ist, nicht geeignet,
Verkürzungen der Schichtzeit herbeizuführen."
Mit dieser Antwort hat sich am Sonntag, den 3. d. Mts.,
in Oelsnitz eine von über 100 Vertrauensmännern der Bergar
beiter des Lugau-Oelsnitzer, und am Sonntag, den 10. d. Mts.,
in Zwickau eine von 53 Vertrauensmännern der Bergarbeiter
des Zwickauer Reviers stattgefundene .Konferenz beschäftigt.
In beiden Konferenzen wurde von den Vertrauensmännern über-
einstimmend berichtet, daß die Belegschaften die bewilligten
Teuerungszulagen allgemein als völlig unzureichend bezeichnen.
Die Belegschaften vermissen den zweifelsfreien Nachweis, daß
die finanzielle Lage der Werke eine den heutigen Teuerungsver
hältnissen angemessene Erfüllung ihrer Lohnforderungen nicht
gestattet. Sie sind vielmehr der Ueberzeugung, daß die finan
zielle Lage der Werke in der Vorkriegszeit von jeher eine so gün
stige war, daß ihnen ein angemessenes Entgegenkommen in der
Lohnfrage auch möglich gewesen wäre, selbst wenn die Werke
während des Krieges keine Gewinne erzielt hätten. Die Berg
arbeiter haben ihre Ersparnisse aus der Vorkriegszeit, sofern
sie solche überhaupt gemacht batten, längst verbraucht, und ihre
jetzigen Lohneinkommen sind auch trotz der lebten Teuerungszu
lage völlig unzureichend zur Befriedigung ihrer und ihrer Fa
milien notwendigen Lebensansprüche. Bei ihrem jetzigen Lohn
einkommen sind viele Bergarbeiter nicht einmal in der Lage, ihre
Lebensmittelrationen voll zu kaufen, geschweige denn darüber