Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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zu  unterschreiben,  daß  sie  gewillt  sind,  für  bis  zu  2  Mark  weniger ­
  Lohn,  als  wie  sie  ihn  in  gesunden  Tagen  verdient  haben,  gu.
arbeiten.  In  der  Lohnfrage  wollen  wir  uns  noch  folgende  Hinweise ­
  gestatten:  Bei  der  anscheinend  übergroßen  Zahl  von  Beamten ­
  auf  den  Saargruben  hält  man  es  für  angebracht,  diese
Beamten
zur  Kontrolle  an  den  einzelnen  Arüeitspnnkten
zu  verwenden.  Das  geschieht  natürlich  auch  mit  der  Absicht,  die
Gedinge  auszuprobieren.  Was  geschulten  Steigern  auf  Grund
von  Erfahrungen  m  wenigen  Stunden  gelingen  müßte,  dazu
bedarf  es  auf  den  Saargruben  mehrerer  Beamten  und  mehrerer
Tage.  Wie  es  dabei  getrieben  wird,  dafür  folgendes  typisches.
Beispiel:
Im  Arbeitsbetrieb,  Flöz  4,  Strebe  1t,  Westl.  Abteil.  111,
Schüttelrutschenarbeit,  hatte  die  Kameradschaft  bei  guter  Anstrengung ­
  im  Monat  März  8,95  Mark,  im  Monat  April  nur  noch.
8,09  Mark  Gedinge-  bzw.  Nettolohn  verdient.  Als  Ursache  des.
niedrigen  Lohnes  wird  das  niedrige  Gedinge  (3,40  Mark  für
die  Tonne  Kohlen),  hauptsächlich  aber  das  schlechte  Gebirge  angegeben, ­
  das  dem  Eisen-  und  Stempelausbau  stark  im  Wegestand. ­
  Unter  solchen  Umständen  verlangte  die  Kameradschaft  ein
besseres  Gedinge  --  mehrfach  ist  das  geschehen  —  mit  dem  Erfolg, ­
  daß  am  7.  Mai  in  der  Frühschicht  der  Fahrsteiger  Grösser,,
der  Steiger  Milding  und  noch  ein  Aufseher  vor  der  Arbeit  erschienen ­
  und  die  Kontrolle  der  Arbeit  übernahmen.  Was  sonst
fehlte,  wurde  unter  der  neuen  Aufsicht  und  Mitwirkung  herangeschafft, ­
  Holz  und  Eisen;  es  wurden  noch  zwei  Mann  zur  .Kohlengewinnung ­
  hinzukommandiert  und  andere  Aenderungen  getroffen. ­
  die  zur  Hebung  der  Förderung  dienten.  Die  Kontrolle
hat  drei  Tage  gedauert,  die  Kohlen  wurden  da  genommen,  wo
sie  am  besten  fielen;  statt  mit  Eisen  wurde  mit  Holz  verbaut,  der
Bergevorsatz  wurde  vernachlässigt,  Nebenarbeiten  so  gut  wie  garnicht ­
  gemacht,  und  die  Sicherung  in  einer  Weise  behandelt,  wie
das  bisher  vor  dieser  Arbeit  noch  nicht  passiert  war.  Aber,  was
die  Beamten  wollten,  erzielten  sie.  Es  wurden  so  viel  Kohlen
gefördert,  daß  der  Gedingelohn  um  2  bis  3  Mark  an  den  drei
Tagen  stieg,  so  daß  nach  Auffassung  der  Beamten  an  eine  Aufbesserung ­
  des  Gedinges  nicht  zu  denken  war.  Die  Kameradschaft ­
  konnte  dem  gegebenen  Beispiel  nicht  folgen,  denn  kauin
hatten  die  Beamten  ihre  Kontrolle  beendet,  als
der  ganze  Arbeitsort  gänzlich  zu  Bruch  ging  und  dem  Werk
nach  Schätzung  mehrere  zchntauscnde  Mark  Schaden  entstanden ­
  ist.
So  war  bei  der  Kontrolle  gewirtschaftet  worden.  Mahnungen
aus  der  Kameradschaft,  daß  es  soweit  mit  einer  solchen  Kontrolle
kommen  würde,  wurden  nicht  beachtet  Der  Fahrsteiger  hat  erkläre: ­
  „Ich  übernehme  die  Verantwortung!"  Die  ihm  schwer
            
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