Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Als  Vertreter  der  Bergarbeiterschaft  haben  wir  gegen  diese
Politik  der  ständigen  Preiserhöhungen,  die  Lurch  dasTelegramm
des  Bergbaulichen  Vereins  an  den  Herrn  Präsidenten  des  Kriegsernährungsamtcs
  im  Frühjahr  1917:  „es  kommt  für  den  Verbraucher ­
  mehr  auf  das  Vorhandensein,  als  auf  den  Preis  der
Ware  an",  noch  gestützt  wurde,  stets  aufs  schärfste  protestiert.  Die
Löhne  der  Bergarbeiter  sind  während  des  Krieges  bei  weitem
nicht  in  dem  Matze  gestiegen,  wie  die  Preise  für  die  Lebensbedürfnisse. ­

Nach  der  neuesten  amtlichen  Lohnstatistik  für  das  1.  Vierteljahr ­
  1918  stellte  sich  z.  B.  der  Durchschnittslohn  sämtlicher  Arbeiter ­
  im  Oberbergamtsbezirk  Dortmund  auf  9,46  Mark  pro
Schicht.  Hauer  und  Lehrhauer  verdienten  durchschnittlich  12,16
Mark,  Schichtlöhner  unter  Tage  8,10  Mark,  Schichtlöhner  über
Tage  sogar  nur  7,68  Mark.  Bei  solchen  Löhnen  wird  die  Beschaffung ­
  des  notwendigsten  Lebensunterhaltes,  besonders  für  die
niedrig  entlohnten  Schichtlöhner,  immer  mehr  in  Frage  gestellt.
Trotzdem  wird  aber  in  einer  gewissen  Presse  das  Volk  immer
aufs  neue  gegen  die  angeblich  so  unverhältnismäßig  „hohen"
Löhne  der  Arbeiter  aufgehetzt.
Was  der  Lebensunterhalt  kostet,  geht  aus  einer  bereits  im
vorigen  Jahre  aufgestellten  Verbrauchsrechnung  für  eine  fünfköpfige ­
  Bergmannsfamilie  in  Esten  hervor.  Es  zeigte  sich  da,  daß
für  die  betreffende  Familie,  in  der  noch  die  Frau  für  sich  und  die
Kinder  die  Kleidung  selbst  anfertigte  und  der  Mann  die  Schuhe
zum  größten  Teile  selbst  flickte,  eine  Gesamtwochenausgabe  von
82,49  Mark  erforderlich  war,  pro  Tag  also  11.78  Mark.  Mittlerweile ­
  sind  ja  die  Haushaltungskosten  nicht  billiger  geworden,  im
Gegenteil  erheblich  gestiegen.
Bei  einer  ähnlichen  Berechnung  des  Statistischen  Amtes  in
Frankfurt  a.  M.  stellte  sich  heraus,  daß  eine  sechsköpfiae  Familie,
um  einigermaßen  ausreichend  leben  zu  können,  täglich  11,21
Mark  ausgeben  mutz.  Es  handelte  sich  dabei  nur  um  Ausgaben
für  Nahrungsmittel.  Wer  mit  solchen  Zahlen  die  Löhne  der
Bergarbeiter  vergleicht,  wird  sich  der  Einsicht  nicht  verschließen
können,  daß  die  Löhne  zum  Lebensunterhalt  und  zur  Aufrechterhaltung ­
  der  so  notwendigen  Arbeitskraft  nicht  ausreichen.
Damit  nun  die  Bergarbeiter  die  so  erheblich  gesteigerten
Kosten  der  Lebenshaltung  in  etwa  ausgleichen  können,  ist  eine
Erhöhung  der  Bergarbeiterlöhne  unbedingt  erforderlich.  Wir
bitten  daher  um  Gewährung  der  eingangs  gestellten  Forderungen. ­

Zur  persönlichen  Aussprache  in  der  vorstehenden  Angelegenheit ­
  sind  >vir  auf  Wunsch  gerne  bereit.
Mit  hochachtungsvollein  Glückauf!
(Folgen  Unterschriften  der  vier  Bergarbeiterverbände.)
            
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