Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Zugeständnisse in der Lohnfrage. 
Vom Minister für Handel und Gewerbe ging an die Berg 
arbeiterverbände folgendes Schreiben ein: 
Berlin W. 9, den 13. August 1918. 
Im Anschluß an die mit Ihnen (Vogelfang) und Herrn Hüsemann 
hier stattgehabte Besprechung teile ich Ihnen mit, daß nach den mir 
gegenüber abgegebenen Erklärungen der Vertreter des rheinisch-west 
fälischen Bergbaues mit folgenden Lohnerhöhungen, beginnend mit dem 
1. August d. Js. mit Bestimmtheit zu rechnen ist. 
1. Die durchschnittlichen Gedingelöhne (Klasse 1 der amtlichen Lohn- 
stattstil) werden bis Ende 1918 weiter in derselben Weise eine allmäh 
liche Erhöhung erfahren, wie sie während des Jahres 1917 und des 
ersten Vierteljahres 1918 nach und nach gesteigert worden sind. Dies 
versteht sich unter der Voraussetzung, daß nicht außergewöhnliche Er 
eignisse, insbesondere Störung durch Wagenmangel, Rückgang der Lei 
stung (gegenüber dem Staude von 1917 und ersten Vierteljahr 1918) 
und dergleichen eintreten. 
2. Die Schichtlöhne werden allmählich von demselben Zeitpunkt ab 
so steigen, daß im Durchschnitt bis zum Ende dieses Jahres eine Ge 
samtsteigerung von 1 Mark je Schicht erreicht wird. 
Zunächst ist vom 1. d. Mts. ab das Kindergeld, soweit dies nicht 
schon vorher geschehen war, verdoppelt worden. Diese Zuwendung ist 
in die Lohnerhöhung einzurechnen.' 
Ich glaube mich der Erwartung hingeben zu dürfen, daß die Ver 
treter der Arbeiterorganisationen, was an ihnen liegt, tun werden, um 
die Ruhe unter den Belegschaften aufrecht zu erhalten und jedem Ver 
suche einer Störung der Kohlenförderung, die im vaterländischen In 
teresse unbedingt vermieden werden muß, entgegenwirken. 
I. A.: Althans. 
Eingabe betr. Kartoffelversorgung für die Jndustriebezirke. 
Essen, Bochum, Wanne, den 13. August 1918. 
Die unterzeichneten Vergarbeiterorganisationen ersuchen das 
Reichsernährungsamt, für die Industriebezirke 
a) die Kartoffelration auf mindestens 10 Pfund pro Kopf 
und Woche festzusetzen. 
b) dafür zu sorgen, daß die Kartoffeln' so weit wie möglich 
von der Bevölkerung selbst eingekellert werden können. 
Eine Kartoffelration von 10 Pfund pro Kopf und Woche ist 
das mögliche Mindestmaß. Im letzten Jahr wurden 7 Pfund 
geliefert. Damit ist die Bevölkerung im allgemeinen nur aus 
gekommen, weil durch den Schleichhandel gewaltige Mengen ver 
trieben wurden. Die Bevölkerung^darf aber bei einem solch wich 
tigen Lebensmittel nicht auf den Schleichhandel angewiesen sein. 
Zur weiteren Begründung der Forderung auf Lieferung von 
mindestens 10 Pfund weisen wir noch auf die zunehmende Ver 
schlechterung des allgemeinen Ernährungs- und Gesundheitszu-
	        
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