Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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des  Lohnes,  der  Arbeitszeit  und  der  persönlichen  Behandlung
zwischen  Arbeitgebern  und  Arbeitern  des  Bergbaues  bezw.  den
beiderseitigen  Organisationen  ergeben,  in  Betracht.
Zur  Begründung  unserer  Bitte  führen  wir  folgendes  an:
In  der  letzten  Zeit  ist  unter  den  Bergleuten  der  verschiedenen ­
  Bergwerksbezirke  Preußens,  besonders  auch  im  rheinischwestfälischen ­
  Industriegebiet,  eine  gewisse  Mißstimmung  und
Unzufriedenheit  entstanden.  Diese  ist  unter  anderem  dadurch
hervorgerufen,  daß  die  Arbeitgeber  in  der  Frage  der  Ueberarbeit
  zu  rigoros  vorgegangen  sind.  So  wurden  uns  von  der
Zeche  Preußen  I  und  Viktoria  eine  Anzahl  Bestrafungen  gemeldet, ­
  weil  die  Leute  keine  Ueberschichten  machen  wollten.  Wer
dann  kündigen  wollte,  dem  drohten  die  Beamten  mit  Zurückziehung ­
  der  Reklamation  und  mit  dem  Schützengraben.  Auch
von  der  Zeche  Neumühl  wird  uns  berichtet,  daß  man  den  Leuten
sehr  oft  mit  deni  Schützengraben  drohe.  Als  sich  auf  Zeche
Wiendahlsbank  die  Leute  weigerten,  Sonntags-  und  Nebenschichten ­
  zu  verfahren,  sagte  der  Steiger  Hahne,  wenn  das  so
weiter  gehe,  werde  die  Belegschaft  einfach  gezwungen.  Von
Zeche  Rheinelbe  wird  berichtet,  daß  der  Steiger  Geizer  einem
Schichtlöhner  einen  Lohnabzug  von  50  Pf.  pro  Schicht  angekündigt ­
  habe,  wenn  er  die  Ueberschichten  nicht  mitmache.
Derartige  Vorkommnisse  sind  nicht  geeignet,  die  Bergleute
zur  Ueberarbeit  anzueifern.  Sie  schaffen  vielmehr  unnötige  Erregung ­
  und  Verärgerung.  Bei  dieser  Gelegenheit  sei  bemerkt,
daß  die  Bergarbeiter  der  Ueberarbeit  keineswegs  grundsätzlich
ablehnend  gegenüberstehen.  Sie  sind  im  Gegenteil  im  vaterländischen ­
  Interesse  gern  bereit,  alles  zu  tun,  ivas  in  ihren
Kräften  steht,  um  die  Kohlenförderung  auf  einer  ausreichenden
Höhe  zu  erhalten.  Diese  Bereitwilligkeit  würde  unseres  Erachtens ­
  noch  gesteigert  werden,  wenn  die  Arbeitgeber  im  Bergbau ­
  bestimmte  Zahlen  über  die  unbedingt  erforderlichen  Kohlenmengen ­
  angeben  würden.
Mit  der  Frage  der  ausreichenden  Förderung  steht  die  Frage
der  Beschäftigung  von  Kriegsgefangenen  im  engen  Zusammenhang ­
  Die  unterzeichneten  Verbände  stehen  auf  dem  Standpunkt, ­
  daß,  wenn  es  wegen  zu  großem  Arbeitermangel  auch  trotz
der  Ueberarbeit  nicht  möglich  ist,  den  Betrieb  aufrecht  zu  erhalten, ­
  gegen  eine  Beschäftigung  der  Kriegsgefangenen  über
Tage  nichts  einzuwenden  ist.  Für  sehr  bedenklich  wird  jedoch
deren  unterirdische  Beschäftigung  gehalten,  die  Preßmeldungen
  zufolge  bereits  auf  einer  Anzahl  Zechen  ernsthaft  in
Erwägung  gezogen  ist.  Einer  solchen  Beschäftigung  stehen  zunächst ­
  große  betriebstechnische  Schwierigkeiten  bezüglich  der  Aufsicht, ­
  Verständigung  usw.  entgegen.  Dazu  kommt  noch  die  Ge-
            
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