Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

dazu  bringen,  einen  Teil  ihrer  Arbeit  oder  ihres  Kapitals  dieser
Yerwendungsart  zu  entziehen.  Dann  wird  die  auf  den  Markt  gebrachte ­
  Quantität  bald  nur  noch  hinreichen,  die  wirksame  Nachfrage
zu  befriedigen.  Alle  Teile  ihres  Preises  werden  wieder  auf  ihren
natürlichen  Satz  und  der  ganze  Preis  auf  den  natürlichen  Preis
hinaufgehen“  (wie  vorh.  Anm.).
So  paßt  ein  natürlicher  und  selbsttätiger  Mechanismus  die  Gütererzeugung ­
  beständig  der  wirksamen  Nachfrage  an,  wenigstens  in
der  groß  en  Mehr  zahl  der  Fälle,  denn  die  Umstände,  wo  diese
Anpassung  nicht  eintritt  (Smith  leugnet  nicht,  daß  es  solche  gebe),
sind  in  seinen  Augen  seltene  Ausnahmen.  Wenn  der  Marktpreis
lange  Zeit  hindurch  über  dem  natürlichen  Preis  stehen  soll,  so  müssen
die  Kapitalisten  entweder  imstande  sein,  ihre  großen  Gewinne  zu
verheimlichen,  oder  sie  müssen  gewisse  Fabrikationsgeheimnisse  besitzen, ­
  oder  es  muß  sich  um  ein  natürliches  Monopol,  wie  das  einer
berühmten  Weinmarke,  oder  endlich  um  ein  künstliches  Monopol
handeln  ] ).  Das  sind  aber  alles  Ausnahmen,  deren  Seltenheit  nur  die
allgemeine  Grundregel  der  selbsttätigen  Anpassung  der  angebotenen
an  die  nachgefragte  Menge  dank  den  Schwankungen  des  Marktpreises ­
  um  den  natürlichen  Preis  bestätigt.
Diese  Anpassungstheorie  ist,  wie  man  weiß,  eine  der  wichtigsten
der  ganzen  Nationalökonomie.  Seit  Smith  wiederholen  sie  alle  Nationalökonomen ­
  fast  ohne  Änderung,  und  sie  ist  heute  noch  die  Basis  der
Produktionstheorie.  Die  Anwendungen,  die  Smith  davon  macht,  sind
sehr  interessant,  denn  sie  dienen  ihm  dazu,  seine  Lieblingsthese  nochmals ­
  zu  illustrieren.  Wir  führen  nur  zwei  davon  aus,  und  zwar
wegen  ihrer  Bedeutung,  und  weil  sie  für  die  These  von  der  Spontaneität ­
  der  wirtschaftlichen  Funktionen  eine  ausgezeichnete  Stütze
abgeben.
Die  erste  betrifft  die  Bevölkerung.  Wie  die  Waren  kann
auch  die  Bevölkerung  überreichlich  oder  ungenügend  sein.  Wie
regulieren  sich  nun  ihre  Bewegungen  ?  Durch  die  Nachfrage  der  Gesellschaft, ­
  antwortet  Smith,  und  zwar  auf  folgende  Weise:  In  den
unteren  Klassen,  führt  er  aus,  hat  man  gewöhnlich  viele  Kinder.
Wenn  die  Löhne  aber  niedrig  sind,  verschwinden  infolge  der  Armut
und  des  Elendes  eine  große  Anzahl,  während  hohe  Löhne  die  Kindersterblichkeit ­
  verringern.  „Es  verdient  auch  bemerkt  zu  werden“,
fährt  Smith  fort,  „daß  sie  dies  möglichst  genau  nach  dem  Verhältnisse ­
  tut,  welches  sich  aus  der  Nachfrage  nach  den  Arbeitern  er-*)
  Smith  tut  den  Monopolpreis  mit  sieben  oder  acht  Zeilen  ab.  Er  begnügt
sich  zu  sagen:  „Der  Monopolpreis  ist  jederzeit  der  höchste,  der  zu  erreichen  ist“
(I,  8.  35,  B.  1,  Kap.  VII).  Die  Theorie  des  Monopolpreises  ist  heute  eins  der  Hauptprobleme ­
  der  Nationalökonomie.
            
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