Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  II.  Adam  Smith.

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gibt.  Wenn  diese  Nachfrage  in  stetem  Wachsen  ist,  so  muß  die
Belohnung  der  Arbeit  notwendig  so  weit  zu  Heiraten  und  Vermehrung
der  Arbeiter  ermuntern,  daß  diese  zahlreich  genug  werden,  um  der
stets  wachsenden  Nachfrage  durch  eine  stets  wachsende  Volksmenge
zu  entsprechen.  Wäre  die  Belohnung  einmal  geringer,  als  es  für
diesen  Zweck  nötig  ist,  so  würde  der  Mangel  an  Händen  sie  bald  in
die  Höhe  treiben,  und  wäre  sie  zu  einer  anderen  Zeit  größer,  so
würde  die  unmäßige  Vermehrung  der  letzteren  sie  bald  wieder  auf
ihren  notwendigen  Satz  herunterbringen.  Der  Markt  würde  in  dem
einen  Falle  so  schlecht  mit  Arbeit  versorgt  und  in  dem  anderen  so
sehr  damit  überfüllt  sein,  daß  ihr  Preis  bald  auf  den  richtigen  Satz
zurückkäme,  den  die  Gesellschaftsverhältnisse  fordern. 4  So  geschieht
es,  daß  die  Nachfrage  nach  Menschen,  gerade  wie  die
nach  jeder  anderen  Ware,  notwendig  auch  die  Erzeugung ­
  der  Menschen  reguliert:  sie  beschleunigt  sie,
wenn  sie  zu  langsam  vor  sich  geht,  und  verzögert  sie,
wenn  sie  zu  rasch  fortschreitet 1 ).“  *
"Die  zweite  Anwendung,  die  Smith  von  seiner  Theorie  der  Anpassung ­
  des  Angebots  an  die  Nachfrage  macht,  betrifft  das  Geld.'
Weiter  oben  haben  wir  gesehen,  wie  er  die  Frage  seines  Ursprunges
löste.  Neben  diesem  ersten  Problem  entsteht  jetzt  ein  zweites,  nämlich, ­
  wie  sich  die  Geldmenge  dem  Tauschbedarf  anpaßt.  Wie  wird
unser  Schriftsteller  es  lösen?
Smith  bemüht  sich  zuerst,  das  landläufige  Vorurteil 2 )  z^i  bekämpfen, ­
  nach  dem  das  Geld  den  Reichtum  an  sich  vorstellt.  *  Es
liegt  ihm  um  so  mehr  daran,  es  zu  widerlegen,  da  dieses  Vorurteil
die  Grundlage  der  merkantilistischen  Theorie  von  der  Handelsbilanz ­
  ist,  und  da  der  Kampf  gegen  den  Merkantilismus  der  unmittelbare ­
  Zweck  seines  Buches  ist/  Wie  bekannt,  behaupten  die
Merkantilisten,  daß  ein  Land  mehr  aus-  als  einführen  müsse,  um  stets
einen  Geldüberschuß,  einen  baren  Saldo  zu  erhalten.  Wenn  man  nun
nachweist,  daß  dieser  Saldo  unnütz  ist,  weil  ja  das  Geld  auch  nur
eine  Ware  ist,  weder  mehr  noch  weniger  nützlich  als  die  anderen,
so  hat  man  durch  diesen  Nachweis  die  Grundlage  der  merkantilistischen ­
  Politik  zerstört.  Smith  sieht  im  Geld  sogar  eine  Ware,
die  entbehrlicher  ist  als  die  anderen.  Eine  lästige  Ware,  deren  Gebrauch ­
  so  oft  wie  möglich  zu  umgehen  ist.  Diese  Art  Mißkredit,  den

')  Völkerreichtum  I,  S.  46—46,  B.  1,  Kap.  VIII.
2 )  „Die  gewöhnliche  Meinung  ist  die,  daß  das  Vermögen  in  Geld  oder  in
Gold  und  Silber  bestehe,  und  diese  Meinung  entspringt  ganz  von  selbst  aus  dem
doppelten  Dienste  des  Geldes,  aus  seinem  Dienste  als  Tauschmittel  einerseits  und  als
Wertmesser  andererseits“  (Völkerreichtum  II,  S.  1,  B.  IV,  Kap.  I).  Das  ganze
Kapitel  ist  der  Bekämpfung  dieses  Vorurteils  gewidmet.
            
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