Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

des  Bankbetriebes  und  im  besonderen  der  damals  berühmtesten  Bank,
der  Bank  von  Amsterdam,  gegeben.  Auch  dort  konstatiert  er  eine
selbsttätige  Anpassung  der  Notenmenge  an  die  Nachfrage.  Denn
wenn  die  Banken  mehr  ausgeben,  als  der  Umlauf  verlangt,  so  steigen
die  Preise.  Man  kauft  im  Ausland  und  bringt  den  Banken  die  Noten
bald  zurück,  um  sie  in  Gold  und  Silber,  das  einzige  internationale
Geld,  umzuwechseln.  So  haben  die  Banken  keinen  Vorteil  davon,  zuviel ­
  Noten  auszugeben,  weil  sie  dann  gezwungen  sind,  eine  entsprechend ­
  größere  Metallreserve  zu  halten.  Zweifellos  verstand  sich
in  der  Wirklichkeit  „eben  nicht  jede  Bankgesellschaft  immer  auf
ihren  eigenen  Vorteil,  und  der  Umlauf  wurde  oft  mit  Papiergeld  überfüllt ­
 1 )“.  Aber  das  Prinzip  wird  dadurch  nicht  berührt.  Das  stellt
nach  ihm  einen  weiteren  Beweis  für  das  selbsttätige  Arbeiten  des
wirtschaftlichen  Mechanismus  dar.
Wir  haben  so  die  hauptsächlichsten  Theorien  A.  Smith’s  durchmustert ­
  und  haben  gesehen,  wie  jede  bedeutende  Tatsache  bei  ihm
den  gleichen  Gedanken  auslöst.  Wenn  der  Platz  es  erlaubte,  könnten
wir  noch  weitere  Beispiele  anführen,  aus  denen  der  gleiche  Schluß
sich  ergeben  würde 2 ).  *  Der  Gedanke  der  Selbstentstehung  der  wirtschaftlichen ­
  Einrichtungen  und  Funktionen  wird  von  Smith  nicht  a  priori
wie  ein  abstrakter,  theoretischer  Grundsatz,  dessen  genaueste  Beweisführung ­
  er  nachher  liefern  wird,  aufgestellt.  Er  entwickelt  sich  nach
und  nach  (und  dies  ist  für  seine  ganze  Art  und  Weise'  charakteristisch) ­
  in  dem  Maße,  wie  er  den  Bereich  der  Volkswirtschaft  durchmißt; ­
  er  tritt  uns  sozusagen  bei  jeder  Biegung  des  Weges  entgegen.
Stets  deutet  Smith  von  neuem  darauf  hin;  langsam  zwingt  sich  dem
Geist  des  Lesers  dieser  Gedanke  als  der  natürliche  Schluß  aus  allem,
was  vorhergeht,  auf.  Die  gesammte  wirtschaftliche  Ordnung  erscheint
ihm  zuletzt  wie  eine  organische  Schöpfung  tausender  menschlicher
Willen,  die,  unbewußt  des  zu  erreichenden  Zieles,  alle  dem  Triebe
einer  gleichen,  instinktiven,  mächtigen  Kraft  gehorchen.
•Was  ist  nun  diese  Kraft,  die  alle  wirtschaftlichen  Handlungen
hervorruft,  deren  Beständigkeit  und  Gleichheit  über  alle  künstliche
Hindernisse  triumphieren,  und  die  folglich  die  Einheit  des  ganzen
Systems  ausmacht  ?'

‘)  Völkerreichtum  I,  S.  176,  B.  II,  Kap.  II.
2 )  Der  hohe  Wechselkurs  zielt  zum  Beispiel  darauf  hin,  selbsttätig  das  Gleichgewicht ­
  im  Handel  wieder  herzustellen  (Volk  erreich  tum  II,  8.  4,  B.  IV,  Kap.  I).
An  anderer  Stelle  führt  er  aus,  daß  die  großen  Vorteile,  die  Europa  aus  seinen  Kolonien
gezogen  habe,  nicht  zweckbewußt  und  beabsichtigt  waren;  das  Suchen  nach  Kolonien,
ihre  Entdeckung,  ihre  In-Wertsetzung  sind  ohne  jeden  vorgefaßten  Plan  und  trotz
der  verderblichen  Verordnungen,  die  die  europäischen  Eegierungen  erließen,  geschehen
(II,  S.  99—100,  B.  IV,  Kap.  VII,  Teil  2).
            
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