Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

sich  wirtschaftlich  zu  betätigen.  Seine  Gründe  füllen  die  Eilstkammer,
  der  seit  ihm  alle*  Gegner  des  Staatssozialismus  (etatisme)
ihre  Waifen  entnommen  haben.  Wir  führen  sie  kurz  an.
„Es  gibt,“  sagt  er,  „keine  zwei  Charaktere,  die  sich  weniger
miteinander  zu  vertragen  scheinen  (die  so  „inkonsistent“  sind),  als
der  Charakter  eines  Kaufmanns  und  der  eines  Fürsten“  1 ).  Die  Regierungen ­
  „sind  selbst  immer  und  ohne  alle  Ausnahme  die  größten  Verschwender ­
  in  der  Gesellschaft“  2 ).  Die  Gründe  hierfür  sind  zahlreich.
Erstens  verwenden  sie  das  Geld  der  anderen,  und  man  geht  stets
mit  dem  Geld  anderer  verschwenderischer  um,  als  mit  seinem  eigenen.
Und  weiter  steht  die  Regierung  den  einzelnen  Unternehmungen
viel  zu  fern,  um  ihnen  jene  genaue  Aufmerksamkeit  widmen  zu
können,  die  für  ihr  Gedeihen  notwendig  ist.  „Die  Fürsorge  des
Staates  kann  im  besten  Falle  doch  nur  eine  ganz  allgemeine  und
unbestimmte  Aufmerksamkeit  auf  das  sein,  was  zum  besseren  Anbau
des  größten  Teiles  seines  Gebietes  etwa  dienen  dürfte.  Die  Fürsorge
des  Grundherrn  hingegen  ist  eine  ganz  bestimmte,  bis  ins  kleinste
gehende  Aufmerksamkeit  darauf,  wie  er  jeden  Fußbreit  Landes  aufs
vorteilhafteste  nutzen  könne  3 ).“
Diese  zu  einer  guten  Bewirtschaftung  des  Bodens  und  der  Kapitalien ­
  notwendige,  eingehende  und  unmittelbare  Überwachung  ist  ein
Gedanke,  zu  dem  er  oft  zurückkehrt.  Daher  bedauert  er  unter  anderen
auch  das  Anwachsen  der  öffentlichen  Schuld,  denn  sie  läßt  einen  Teil
des  Bodens  und  des  Nationalvermögens  in  die  Hände  von  Rentiers
übergehen,  die  zweifelsohne  zwar  ein  Interesse  an  der  guten  Verwaltung ­
  des  Landes  haben,  jedoch  „der  gute  Anbau  irgend  eines  bestimmten ­
  Stückes  der  Ländereien  oder  die  gute  Verwendung  irgend
eines  bestimmten  Kapitals“ 4 )  liegt  außerhalb  ihrer  Interessen.
*  Alles  in  allem  ist  der  Staat  ein  schlechter  Verwalter,  weil  seine  Beamten ­
  nachlässig  und  verschwenderisch  sind,  weil  sie  kein  direktes
Interesse  an  der  Verwaltung  haben,*  sondern  aus  den  öffentlichen
Kassen  bezahlt  werden.  Bei  dem  Gedanken,  die  ganze  Verwaltung
des  Bodens  in  die  Hände  des  Staates  zu  legen,  ruft  er  aus:  „mit
der  nachlässigen,  kostspieligen  und  drückenden  Verwaltung  seiner
Faktoren  und  Agenten“  würde  nicht  der  vierte  Teil  der  jetzigen
Produktion  erzeugt  werden  5 ).  Er  schlägt  im  Gegenteil  vor,  daß

0  Yölkerreichtum  II,  S.  239,  B.  Y,  Kap.  II,  Teil  1.  Er  nimmt  nnr  die
Post  ans  —  „vielleicht  das  einzige  kaufmännische  Unternehmen,  welches,  glaube
ich,  von  jeder  Regierung  mit  gutem  Erfolge  betrieben  worden  ist“.
2 )  Yölkerreichtum  I,  S.  204,  B.  II,  Kap.  III.
3 )  Völkerreichtum  II,  S.  248,  B.  V,  Kap.  II,  Teil  2,  Abs.  1.
4 )  Völkerreichtum  II,  S.  311,  B.  V,  Kap.  III.
5 )  Völkerreichtum  II,  S.  242,  B.  V,  Kap.  II,  Teil  1.
            
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