Kapitel II. Adam Smith.
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Bei all diesen Einschränkungen bleibt doch die Tatsache nicht
weniger klar bestehen, daß das ganze Werk Smxth’s eine Ver
teidigungsrede zugunsten der wirtschaftlichen Entfesselung des Indi
viduums ist. Es stellt eine Anklageschrift gegen die merkantilistische
Politik und gegen jedes darauf beruhende wirtschaftliche System dar.
In dieser Hinsicht besteht eine völlige Übereinstimmung zwischen
der Rolle, die Smith in England spielt, und der, die zur gleichen Zeit
die Physiokraten in Frankreich spielten. Innen wie außen war
damals die Freiheit der Produzenten, der Kaufleute und der Arbeiter
durch ein Netz von Vorschriften eingeschränkt, von denen die einen
in den Überlieferungen des Mittelalters, die anderen in mächtigen,
von falschen wirtschaftlichen Theorien getragenen Privatinteressen
wurzelten. In den Städten bestand noch die Zunftordnung, obgleich
sie nicht mehr auf diejenigen Industrien anwendbar war, die nach
dem Erlaß des berühmten Lehrlingsgesetzes der Königin Elisabeth
entstanden waren. Das Eeglementierungssystem mit seiner Schar von
Beamten, die die Fabrikationsvorgänge, das Gewicht, die Länge, die
Beschaffenheit der Stoffe überwachen sollten, trieb unter anderen sein
Unwesen in der Wollindustrie 1 ). Die Festsetzung der Lehrzeit auf
sieben Jahre, die Beschränkung der Anzahl der Lehrlinge in den
Hauptindustrien, die Hindernisse, die der Freizügigkeit der Arbeiter
in Folge des „Armengesetzes“ und einer Reihe von Vorschriften, die
seit der Regierung Elisabeth’s vervollständigt waren, entgegenstanden,
erschwerten die Arbeitsmöglichkeit und jede gute Kapitalanlage. Smith
wendet sich energisch gegen alle diese Maßnahmen. Zwar waren in
England die Hindernisse, die dem Güterumlauf im Innern Frankreichs
entgegenstanden, unbekannt; jedoch gab es große Handelsschranken
im Verkehr mit Irland. Die Hindernisse, unter denen Englands Außen
handel litt, waren nicht geringer als in anderen europäischen Staaten:
Einfuhrverbote oder hohe Zölle auf Manufakturerzeugnisse und ge
wisse Naturprodukte (wie französische Weine), Ausfuhrverbote auf
gewisse der Nationalindustrie notwendige Erzeugnisse, wie Wolle
oder Maschinen, engherzige oder drückende Politik gegen die Kolonien,
die als natürliche Lieferanten von Roherzeugnissen für die Heimat
und als gezwungene Abnehmer ihrer Manufakturprodukte angesehen
wurden usw. Gegen alle diese Maßnahmen, die vorgeblich die Vor
herrschaft Englands über die anderen handeltreibenden Völker
hygienischer Maßnahmen zum Schutz gegen ansteckende Krankheiten (II, S. 218,
B. V, Kap. I, Teil 3, § 2).
Ü Vgl. Mantoux, op, cit. S. 65—66. In diesem Buch finden wir über alle
diese Punkte, die wir hier nur erwähnen können, sehr interessante Einzelheiten.
Die neuen restriktiven Verordnungen werden von Smith im 2. Teil des X. Kapitels
des 1. Buches kritisiert.