Kapitel III. Die Pessimisten.
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überstellen. Ihr Vertrauen auf das, was wir Fortschritt nennen, war
alles in allem äußerst gering.
Man darf aber nicht annehmen, daß sie sich selbst als Pessi
misten betrachtet, oder daß ihre Zeitgenossen sie dafür gehalten
hätten. Es ist das eine Bezeichnung a posteriori, die sie stark
in Erstaunen gesetzt haben würde. Sie entwickeln im Gegenteil
ihre Theorien mit einer Seelenheiterkeit, die befremdet. Keinen
Augenblick kommt ihnen der Gedanke, daß mau darin eine Anklage
gegen die bestehende Ordnung der Dinge oder gegen die Weisheit
des „großen Schöpfers der Natur“ sehen könnte. Sie glauben, das
Grundeigentum auf eine unerschütterliche Basis gestellt zu haben,
wenn sie nachweisen, daß die Bodenrente nichts mit dem Eigentum
zu tun habe. Sie zweifeln nicht daran, den Geist der Revolte ent
waffnet zu haben, wenn sie den Armen nachweisen, daß sie selbst
für ihr Unglück verantwortlich sind 1 ).
Die beiden Hauptvertreter dieser Lehre, Malthus und Ricardo,
waren Philanthropen, Volksfreunde, wie sie selbst erklären, und wir
haben keinen Grund, ihre Aufrichtigkeit in Zweifel zu ziehen 2 ). Ihre
Zeitgenossen waren über diese neue Nationalökonomie keineswegs
erschrocken, sondern nahmen sie mit großer Begeisterung auf. Die
große englische Gesellschaft 3 ) öffnete ihnen weit ihre Arme, und sogar
Damen bemühten sich, in Novellen und Erzählungen die abstrakten
Theorien eines Ricardo 4 ) allen verständlich zu machen.
Auch muß man anerkennen, daß sie der Wissenschaft — und
infolge einer durch sie hervorgerufenen Gegenströmung auch den
Arbeiterklassen — ganz bedeutende Dienste geleistet haben. Auch
') „Das Volk muß sich seihst als die Hauptursaohe seines Elendes betrachten“
(Malthus, S. 500).
Deshalb sagen zweifellos auch andere Schriftsteller, wie z.B.EMBHALßvYin seinem
Buch: Le Eadicalisme Philosophique, daß Eicakdo, Malthus und ihre Jünger
„als Vertreter des Optimismus und des „nicht-daran-rührens“ gelten“. Optimis
mus also! In welchem Sinn? Ohne Zweifel, weil sie die wirtschaftliche Ordnung
für die bestmögliche und auf jeden Fall für unabänderlich hielten? Mag das sein.
Hierfür scheint uns dann aber die Bezeichnung „zufriedene Pessimisten“ besser.
2 ) „Jeder unparteiische Leser muß anerkennen, daß das praktische Ziel, das dem
Verfasser vor allen vorsohwebte, die Besserung der Lage und die Erhöhung des
Lebensglücks der unteren Gesellschaftsklassen ist.“ Mit dieser Erklärung schließt
Malthus sein Buch über die Bevölkerung.
3 ) In ihren Briefen erzählt uns eine Zeitgenossin Eicardo’s, Miss Edgewokth,
die Nationalökonomie wäre damals so stark Mode gewesen, daß die Damen der Ge
sellschaft, ehe sie für ihre Töchter eine Erzieherin nahmen, sich erkundigten, ob die
streifende diese Wissenschaft lehren könne.
) Conversations on Political Economy, von Mns Mahcei (1816).
lustrations of Political Economy, von Miss Martinbau, 9 Bände mit zu
sammen 30 Erzählungen (1832—1834).