Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

Schaft  eigentümlich  sind,  und  die  sich  folglich  in  anderen  Ländern
nicht  im  gleichen  Maßstab  fühlbar  machen  können:  —  sei  es,  daß
man  mit  Paul  Leeoy-Beaulieü  annimmt,  die  Geburten  nehmen  im
Verhältnisse  des  Zivilisationsfortschrittes  ab,  da  er  Bedürfnisse,  Wünsche
und  Ausgaben  schalfe,  die  mit  den  Pflichten  und  Lasten  der  Vaterschaft ­
  unvereinbar  sind;  —  sei  es,  daß  man  mit  Dumont  zugibt,  die
Geburten  würden  im  Verhältnis  des  Fortschrittes  der  Demokratie
geringer,  die  den  Wunsch,  vorwärts  zu  kommen,  immer  schneller
und  immer  höher  zu  steigen,  anspornt  (was  er  geistreich  das  Gesetz
der  Kapillarität  nennt);  —  sei  es,  daß  man  schärfer  umrissene  Ursachen ­
  anzieht,  die  dann  für  jede  Schule  andere  sind;  wie  das  gleiche
Erbrecht,  auf  das  die  Le  PnAv’sche  Schule  verweist,  die  Abschwächung
der  moralischen  und  religiösen  Vorstellungen,  wie  Paul  Bubeau  ausfährt, ­
  oder  die  ünmäßigkeit  in  allen  ihren  Formen:  Völlerei,  Alkoholismus ­
  usw.  Leider  kann  man  nicht  sagen,  daß  irgendeine  der  bisher
gegebenen  Erklärungen  vollständig  befriedige,  und  ein  neuer  Malthus
würde  sehr  gelegen  kommen,  um  der  demographischen  Wissenschaft
eine  neue  Zukunft  zu  eröffnen  1 ).  ,

II.
Ricardo.
t
Ricardo  ist  der  größte  Name  der  Nationalökonomie  und  kommt
gleich  nach  Adam  Smith.  Er  ist  sogar  bekannter.  Adam  Smith  hat
gerade  infolge  der  weisen  Mäßigung  in  seinen  Ansichten  keine  Schule
gemacht  und  nur  wenig  zum  Widerspruch  herausgefordert;  National-')
  Es  gibt  jedoch  eine  Anzahl  Soziologen,  die,  wie  Malthus,  nach  den  biologischen
Gründen  suchen;  wie  er  solche  für  die  Erklärung  der  Übervölkerung  gefunden  hat,
haben  sie  andere  zur  Erklärung  der  Entvölkerung  aufgedeckt.
Pouriek  und  der  englische  Schriftsteller  Doublbday,  der  40  Jahre  nach  Malthus
schrieb,  glauben  z.  B.,  daß  die  Fruchtbarkeit  im  umgekehrten  Verhältnis  zur  Ernährung ­
  stehe.  Es  w'ürde  das  eine  automatische  natürliche  Hemmung  gegen  jede
Gefahr  einer  Übervölkerung  darstellen.  Andere  glauben,  daß  die  Zeugungskraft
im  umgekehrten  Verhältnis  zur  geistigen  Tätigkeit  stehe.  Als  Grundlage  beider
Erklärungen  würde  danach  ein  recht  bedeutsamer  Unterschied  in  der  Entwicklung  des
Individuums  und  der  der  Gattung  in  Frage  kommen.  Sie  haben  jedoch  wenig  Anhänger ­
  gefunden.  Sollten  ihre  Annahmen  der  Wahrheit  entsprechen,  so  würden  sie
den  Ausblick  in  die  Zukunft  nicht  zuversichtlicher,  sondern  im  Gegenteil  noch  dunkler
gestalten,  da  dann  die  Völker  und  die  Klassen,  die  sich  zuerst  zu  höherem  Wohlstand ­
  und  höherer  Kultur  emporgearbeitet  haben,  zum  Untergang  verurteilt  sind,
während  die  noch  armen  und  rohen  Massen  ihren  elenden  Zustand  beibehalten  und
sich  weiter  in  unendlicher  Zahl  vermehren  würden.
            
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