Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Die  Pessimisten.

157

eines  jeden  bestimmen.  Wenn  Excaedo  diese  Untersuchung  auch
ohne  jede  teleologische  Gerechtigkeitsvoraussetzung  führt,  so  läßt
sich  leicht  voraussehen,  daß  er  die  Ära  der  Polemik  und  sogar  des
Sozialismus  eröffnen  wird.  Auf  der  einen  Seite  nämlich  treten  in  der
Verteilung  der  Güter  die  Naturgesetze  gegenüber  geschriebenen
Gesetzen  und"  menschlichen  Einrichtungen  zurück,  und  auf  der
anderen  sind  dieselben  individuellen  Interessen,  die  in  der  Produktion
Zusammenwirken,  in  der  Verteilung  antagonistisch.
Wir  werden  daher  untersuchen,  welche  Gesetze  Excaedo  für  die
Bodenrente,  den  Profit  und  den  Lohn  aufstellte  und  werden  besonders
auf  das  erste  eingehen,  das,  ihm  zufolge,  die  anderen  bestimmt.
Man  könnte  meinen,  daß  es  zunächst  unumgänglich  nötig  sei,  die
"Werttheorie  Eicaedo’s  zu  besprechen,  um  so  mehr,  als'die  Theorie  des
Arbeitswertes  in  der  Wertlehre  einen  großen  Platz  einnimmt  und  der
marxistischen  Theorie  vom  Mehrwert,  auf  der  der  ganze  zeitgenössische
Sozialismus  beruht,  den  Weg  öffnet.’  Trotzdem  werden  wir  uns  aber
damit  begnügen,-nur  gelegentlich  von  seiner  Werttheorie  zu  sprechen,
und  zwar  dort,  wo  sie  mit  den  Gesetzen  der  Verteilung  in  Verbindung
steht.  Hierfür  können  wir  uns  auf  Excaedo  selbst  berufen,  denn  er
sagt;  „Zum  Schluß  muß  die  große  Frage  der  Bodenrente,  des  Lohnes
und  des  Profites  klargestellt  werden  und  zwar  durch  das  Verhältnis,
in  dem  der  Gesamtertrag  unter  Grundbesitzer,  Kapitalisten  und
Arbeiter  verteilt  wird,  welches  Verhältnis  nicht  notwendigerweise ­
  mit  der  Lehre  vom  Wert  in  Verbindung  steht  1 ).“
Excaedo  hat  keineswegs  mit  der  Ausarbeitung  einer  Lehre  über
den  Wert  begonnen,  um  aus  ihr  die  Gesetze  der  Verteilung  abzuleiten; ­
  sondern  erst,  als  er  diese  Gesetze  entdeckt  hatte,  oder  entdeckt
zu  haben  glaubte,  hat  er  versucht,  sie  in  eine  Werttheorie  zusammenzufassen. ­
  Der  Gedanke,  der  ihn  sein  ganzes  Leben  hindurch  verfolgt
hat,  daß  nämlich  der  Boden  eine  immer  wachsende  Arbeit  verlange,
hat  ihn  ohne  Zweifel  zu  der  Auffassung  verführt,  daß  die  Arbeit
«die  Grundlage“  oder  „die  Ursache“  oder  „der  Maßstab“  —  er  schwankt
beständig  zwischen  diesen  keineswegs  übereinstimmenden  Ausdrücken

—  des  Wertes  sei.  Man  muß  übrigens  zugeben,  daß  die  Werttheorie
Eicaedo’s  weit  davon  entfernt  ist,  einen  Begriff'  von  seiner  Bedeutung
zu  geben.  Angesichts  dieser  höchst  schwieligen  Frage  ist  sein  durchdringender ­
  Geist  nicht  glücklicher  als  der  seiner  Vorgänger  gewesen.
Er  hat  verschiedentlich  erklärt  und  noch  kurz  vor  seinem  Tode  mit
prächtiger  Offenheit  zugegeben,  daß  seine  Versuche,  eine  Erklärung
des  Wertes  zu  finden,  zu  keinem  Resultat  geführt  hätten 2 ).

1 )  Brief  an  Mao  Cüllooh  vom  13,  Juli  1820,  erwähnt  von  H.  Denis,  B.  II,  S.  171.
2 )  tu  seinem  Briefwechsel  mit  Mac  Culloch  schreibt  er  unter  dem  18.  Dez.  1819:
”  iit  meiner  Erklärung:  der  Grundsätze,  die  den  Wert  beherrschen,  bin  ich  nicht  zu-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.