202
Zweites Buch. Die Gegner.
die DIE besitzen müssen, deren Aufgabe es ist, über das Glück des
Menschengeschlechts zu wachen; natürlich müssen die Regierenden,
wenn sie ihren Aufgaben gerecht werden wollen, die Nationalökonomie
kennen, aber das Glück des Menschengeschlechts würde auf sehr
schwachen Füßen stehen, wenn es, anstatt auf der Intelligenz und
der Arbeit der Regierten zu beruhen, von einer Regierung abhinge.“
(Cours complet, II, 551.) Und er fügt hinzu: „Es liegt an den
durch das System der Bevormundung verbreiteten falschen Begriffen,
daß die meisten deutschen Schriftsteller die Nationalökonomie als die
Wissenschaft der Verwaltung ansehen.“
§ 2. Kritik der Überproduktion und der Konkurrenz.
Die „chrematistische Schule“ hat sich über die zu verfolgende
Methode und sogar über den Gegenstand der Nationalökonomie geirrt.
Daher ist es weiter nicht erstaunlich, das sie auch zu falschen prak
tischen Schlußfolgerungen gekommen ist. Die chrematistische Schule
hat zur unbegrenzten Produktion angeregt — sie hat die Wohltaten
der Konkurrenz ohne Einschränkung gelobt. — und als Schlußfolgerung
hat sie die Harmonie der Interessen und die Nichteinmischung der
Regierung aufgestellt. Das sind die drei wesentlichen Punkte, in
denen Sibmondi sie angreift.
Vor allem weist er zunächst auf ihren unbedachten Eifer zugunsten
der Produktion hin. Die klassischen Schriftsteller sagen, daß das
allgemeine Wachstum der Produktion keine Unzuträglichkeiten nach
sich zieht, dank des selbsttätigen Mechanismus, der sofort in Wirkung
tritt, sobald die Unternehmer an irgendeinem Punkt über die Be
dürfnisse der Nachfrage hinausgehen; — die sinkenden Preise zeigen
ihnen an, daß sie auf dem falschen Wege sind, und daß sie ihre
Kräfte nach einem anderen Ziele lenken müssen. Ebenso zeigt eine
Preiserhöhung, daß das Angebot ungenügend ist, und daß mehr fabriziert
werden muß. Daher werden die etwa begangenen Fehler stets nur
für den Augenblick und vorübergehend sein.
Dem hält Sismondi entgegen: wenn die Nationalökonomen, an
statt in abstrakte zu denken, die Tatsachen in ihren Einzelheiten
betrachtet hätten; wenn sie anstatt die Erzeugnisse anzusehen, die
Menschen ins Auge gefaßt hätten, würden sie sich nicht so leicht
sinnig über die Irrtümer der Fabrikanten hinweggesetzt haben.
Wenn das Angebot unzureichend war, um einer fortschreitenden
Nachfrage zu genügen, dann freilich schadet seine Vermehrung Nie
mandem und nützt Allen. Wenn aber umgekehrt die Bedürfnisse
nicht so schnell wachsen wie das Angebot, dann läßt sich die Ein-