Kapitel I. Sismondi und die Ursprünge der kritischen Schule.
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Schränkung des übermäßigen Angebots nicht so leicht bewerkstelligen.
Glaubt man, daß von heute auf morgen die Kapitalien und die Arbeit
eine Industrie, die im Niedergang begriffen ist, aufgeben können, um
sich einer anderen zuzuwenden? Keineswegs! Der Arbeiter kann
nicht plötzlich die Arbeit verlassen, die ihm seinen Lebensunterhalt
gibt, und die er in einer oft langen und teuren „Lehrlingszeit“ ge
lernt hat, — in der er sich durch eine professionelle Geschicklichkeit
auszeichnet, deren Vorteile er in einer anderen Beschäftigung ver
liert. Anstatt das zu tun, wird er lieber seinen Lohn verringern
lassen, wird er lieber die Arbeitszeit verlängern, „er wird es vor
ziehen, 14 Stunden am Tag zu arbeiten, die Zeit opfern, die er
früher dem Vergnügen und der Ausschweifung widmete, und die
gleiche Anzahl Arbeiter wird bedeutend mehr Erzeugnisse
her vor bringen“ 1 2 ). — Was den Fabrikanten anlangt, so wird er
ebensowenig, wie der Arbeiter bereit sein, ohne Widerstand seine
Fabrik aufzugeben, in deren Errichtung und Anlage er die Hälfte
oder drei Viertel seines Vermögens gesteckt hat. Fixes Kapital
läßt sich nicht von einer Fabrik auf die andere übertragen. Auch
wird der Fabrikant durch die Gewohnheit festgehalten, „eine moralische
Kraft, die der Berechnung nicht unterliegt“ -), und wie der Arbeiter,
klammert er sich an die Industrie,, die ihn bis dahin ernährt und
die er geschaffen hat. So wird denn die Produktion, weit davon ent
fernt, sich selbsttätig einzuschränken, dieselbe bleiben oder sogar
noch größer werden; . . . allerdings wird sie zum Schluß gezwungen,
nachzugeben; allerdings wird die Anpassung eintreten, aber nach
wieviel Ruin, nach wieviel Unglück!
„Die Produzenten werden sich nicht eher von der Arbeit znrück-
ziehen, und nicht eher wird ihre Zahl geringer werden, als bis eine
Anzahl der Geschäftsinhaber Bankerott gemacht hat, und bis ein Teil
der Arbeiter Hungers gestorben ist 3 ).“ „Hüten wir uns, sagt er
zürn Schluß, vor dieser gefährlichen Theorie des Gleichgewichts, das
sich selbst herstellt. . . Allerdings stellt sich auf die Dauer ein ge
wisses Gleichgewicht ein, aber nur nach furchtbaren Leiden 4 ).“ Diese
Bemerkung, die schon zur Zeit Sismondi’s richtig war, bildet heute
die Grundlage der Geschäftspolitik der Trusts und Kartelle.
Wie vermehrt sich seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts haupt
sächlich die Produktion? Durch die Vermehrung der Maschinen,
Daher richtet Sismondi seine hauptsächlichsten Angriffe gegen die
Maschinen. Und gerade deshalb hat er sich als Reaktionär behandeln
>) N. P., I, S. 333.
2 ) N. P., I, S. 336.
3 ) N. P., I, S. 333—334.
4 ) N. P., I, S. 220—221