Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

die  DIE  besitzen  müssen,  deren  Aufgabe  es  ist,  über  das  Glück  des
Menschengeschlechts  zu  wachen;  natürlich  müssen  die  Regierenden,
wenn  sie  ihren  Aufgaben  gerecht  werden  wollen,  die  Nationalökonomie
kennen,  aber  das  Glück  des  Menschengeschlechts  würde  auf  sehr
schwachen  Füßen  stehen,  wenn  es,  anstatt  auf  der  Intelligenz  und
der  Arbeit  der  Regierten  zu  beruhen,  von  einer  Regierung  abhinge.“
(Cours  complet,  II,  551.)  Und  er  fügt  hinzu:  „Es  liegt  an  den
durch  das  System  der  Bevormundung  verbreiteten  falschen  Begriffen,
daß  die  meisten  deutschen  Schriftsteller  die  Nationalökonomie  als  die
Wissenschaft  der  Verwaltung  ansehen.“

§  2.  Kritik  der  Überproduktion  und  der  Konkurrenz.
Die  „chrematistische  Schule“  hat  sich  über  die  zu  verfolgende
Methode  und  sogar  über  den  Gegenstand  der  Nationalökonomie  geirrt.
Daher  ist  es  weiter  nicht  erstaunlich,  das  sie  auch  zu  falschen  praktischen ­
  Schlußfolgerungen  gekommen  ist.  Die  chrematistische  Schule
hat  zur  unbegrenzten  Produktion  angeregt  —  sie  hat  die  Wohltaten
der  Konkurrenz  ohne  Einschränkung  gelobt.  —  und  als  Schlußfolgerung
hat  sie  die  Harmonie  der  Interessen  und  die  Nichteinmischung  der
Regierung  aufgestellt.  Das  sind  die  drei  wesentlichen  Punkte,  in
denen  Sibmondi  sie  angreift.
Vor  allem  weist  er  zunächst  auf  ihren  unbedachten  Eifer  zugunsten
der  Produktion  hin.  Die  klassischen  Schriftsteller  sagen,  daß  das
allgemeine  Wachstum  der  Produktion  keine  Unzuträglichkeiten  nach
sich  zieht,  dank  des  selbsttätigen  Mechanismus,  der  sofort  in  Wirkung
tritt,  sobald  die  Unternehmer  an  irgendeinem  Punkt  über  die  Bedürfnisse ­
  der  Nachfrage  hinausgehen;  —  die  sinkenden  Preise  zeigen
ihnen  an,  daß  sie  auf  dem  falschen  Wege  sind,  und  daß  sie  ihre
Kräfte  nach  einem  anderen  Ziele  lenken  müssen.  Ebenso  zeigt  eine
Preiserhöhung,  daß  das  Angebot  ungenügend  ist,  und  daß  mehr  fabriziert
werden  muß.  Daher  werden  die  etwa  begangenen  Fehler  stets  nur
für  den  Augenblick  und  vorübergehend  sein.
Dem  hält  Sismondi  entgegen:  wenn  die  Nationalökonomen,  anstatt ­
  in  abstrakte  zu  denken,  die  Tatsachen  in  ihren  Einzelheiten
betrachtet  hätten;  wenn  sie  anstatt  die  Erzeugnisse  anzusehen,  die
Menschen  ins  Auge  gefaßt  hätten,  würden  sie  sich  nicht  so  leichtsinnig ­
  über  die  Irrtümer  der  Fabrikanten  hinweggesetzt  haben.
Wenn  das  Angebot  unzureichend  war,  um  einer  fortschreitenden
Nachfrage  zu  genügen,  dann  freilich  schadet  seine  Vermehrung  Niemandem ­
  und  nützt  Allen.  Wenn  aber  umgekehrt  die  Bedürfnisse
nicht  so  schnell  wachsen  wie  das  Angebot,  dann  läßt  sich  die  Ein-
            
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