Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

Augenblick  auf  seine  Seite  hinüber  gezogen  worden  zu  sein,  und
Sismondi  konnte  einen  Moment  glauben,  daß  die  Revue  me  usuelle
d’Economie  Politique,  die  von  Fix  im  Jahre  1833  gegründet
worden  war,  seine  Gedanken  verteidigen  würde,  aber  die  Revue
stellte  sehr  bald  ihr  Erscheinen  ein  und  war  noch  vor  ihrem  Ende
zur  „Orthodoxie“  übergegaugen.  Nur  ein  einziger  Schriftsteller,
Bubet,  nennt  sich  in  seinem  Werk  über  „das  Elend  der  Arbeiterklassen ­
  in  Frankreich  und  England“ 1 )  geradezu  einen
Schüler  Sismondi’s  und  ist  es  tatsächlich  gewesen.  Diesen  Schriftstellern ­
  sollte  man  noch  Villeneuve-Baegemont  anfügen,  den  Verfasser ­
  einer  christlichen  Nationalökonomie  (Economic  politique ­
  chretienne),  in  drei  Bänden,  die  1834  herauskam,  und  in  der  er
sich  stark  an  Sismondi  anlehnt.
Dagegen  ist  Sismondi,  obschon  er  nicht  selbst  Sozialist  war,  viel
von  Sozialisten  gelesen  und  beachtet  worden.  Bei  ihnen  findet  man
seinen  Einfluß  am  ausgeprägtesten.  Das  ist  nichts  Erstaunliches.
Stellt  nicht  der  ganze  kritische  Teil  seines  Werkes  die  wuchtigste
aller  Anklagen  gegen  die  Konkurrenz  und  die  Ungleichheit  der  Vermögen ­
  vor?  Louis  Blanc  hat  ihn  gelesen  und  entnimmt  ihm  mehr
als  ein  Argument  gegen  die  Konkurrenz.  Noch  mehr  als  Louis  Blanc
haben  die  beiden  deutschen  Sozialisten,  Rodbeetus  und  Marx,  aus
seinem  Buche  geschöpft.  Rodbeetus  entlehnt  ihm  seine  Krisentheorie
und  den  Gedanken,  daß  der  soziale  Fortschritt  nur  den  besitzenden
Klassen  Gewinn  bringt.  Maex  verdankt  ihm  noch  mehr,  und  während
Rodbeetus  ihn  zitiert,  aber  ihn  nicht  nennt,  zögert  Maex  nicht,  ihm
im  kommunistischen  Manifeste  (§  60  u.  61)  Gerechtigkeit  widerfahren
zu  lassen,  indem  er  selbst  auf  alles  das  hinweist,  was  er  seiner  durchdringenden ­
  Analyse  verdankt.  Von  allen  Gedanken,  die  er  ihm  entnimmt, ­
  ist  der  wichtigste  der  von  der  Konzentration  des  Reichtums
in  den  Händen  einer  kleinen  Anzahl  von  Besitzenden  und  von  der
wachsenden  Proletarisierung  der  Arbeitermassen.  Diese  Auffassung
ist  die  Grundlage  des  kommunistischen  Manifestes,  und  auf  ihr  beruht
der  marxistische  Kollektivismus.  Wie  wir  gesehen  haben,  stammt
diese  Auffassung  von  Sismondi.  Wir  glauben  aber  nicht,  daß  Maex
den  Gedanken  über  die  Ausbeutung  des  Arbeiters  durch  den  Kapitalisten ­
  Sismondi  entlehnt  hat.  Wenn  er  weiterhin  ihm  nicht  den
Begriff  des  Mehrwertes  verdankt,  so  hat  er  doch  bei  ihm  zum  wenigsten
den  Keim  der  Erklärung,  die  er  dafür  gibt,  gefunden.  Wie  bekannt,
Stelle  findet:  „Wenn  man  gewisse  Volkswirtschaftler  liest,  so  möchte  man  fast
glauben,  daß  die  Produkte  nicht  um  der  Menschen  willen  gemacht  werden,  sondern
daß  die  Menschen  um  der  Produkte  willen  da  sind.“
‘)  Paris,  1841,  La  misere  des  classes  laborieuses  en  France  et  en
Angleterre,  2  Bände.  Buhet  starb  1842,  82  Jahre  alt.
            
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