Kapitel III. Die Ässozialisten.
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In dieser Hinsicht ist es nur gerecht, darauf hiuzuweiseu, daß diese
Gesellschaften damals noch nicht das waren, was sie seitdem ge
worden sind. Owen hat jedoch noch das Entstehen der Gesellschaft
in Rochdale erlebt, — unter deren 28 Pionieren sich 6 seiner Schüler
befanden, und von denen zwei, Charles Howaeth und William Coopee,
die Seele dieser unsterblichen Genossenschaft waren, — aber Owen
war damals 73 Jahre alt und scheint von der Geburt dieser so spät
gekommenen Tochter nicht einmal Notiz genommen zu haben, die
doch mehr als alle Arbeit seines langen Lebens seinen Namen der
Nachwelt überliefern, wenn nicht der Vergessenheit entreißen sollte.
Denn Owen hat in Wirklichkeit keine Schule, außer der koope
rativen Schule, hinterlassen. Allerdings hatte er einige Schüler, die
versuchten, seine Theorien anzuwenden. Unter ihnen muß besonders
einer erwähnt werden, der lange Zeit vergessen war und heute
wieder entdeckt worden ist, um überschwänglich gefeiert zu werden.
Es ist dies William Thompson, dessen Hauptwerk „Untersuchungen
über die Grundsätze der Güterverteilung, die dem Glück des Menschen
am günstigsten sind“, im Jahre 1824 erschien. In seiner Kenntnis der
Ökonomik und in der Tiefe seines Denkens ist er Owen bedeutend
überlegen. Es wäre richtiger, ihn als den Gründer des Sozialismus
zu bezeichnen, aber wie wir schon in der Einleitung erwähnten, können
wir nicht daran denken, etwaige Ungerechtigkeiten der Geschichte
zu korrigieren, und müssen die von der Tradition geheiligten Namen
annehmen. Übrigens ist es nur natürlich, daß der Rang, den ein
Mann in der Geschichte einnimmt, mehr durch seinen Einfluß als
durch sein Talent bestimmt wird, und der Einfluß Thompson’s auf
seine Zeit war Null; hatte man ihn doch völlig vergessen.
Von Thompson können wir nur sagen, daß er besser als Owen
dem Gedanken, daß der Arbeiter nicht den ganzen Gegenwert des
Erzeugnisses seiner Arbeit erhält, nachgegangen ist, und daß er so
die Theorie des „Mehrwertes“ und der „unbezahlten Arbeit“, die wir
später wieder finden werden, vorbereitet hat. Ebenso wie Owen
stellt er als Heilmittel gegen dieses Übel nicht die Enteignung der
erworbenen Reichtümer hin, sondern nur die Organisation neuer
l nternehmungsformen, in denen der Arbeiter den vollen Arbeits
ertrag für sich selbst behält; und eben das macht das Programm der
kooperativen Gesellschaften aus J ).
*) Er sagte zu den Arbeitern: „Ihr wünscht selbst den Gesamtertrag eurer
Arbeit für euch zu behalten? Ganz richtig; dazu habt ihr weiter nichts zu tun,
die Richtung eurer Arbeit zu ändern. Anstatt für jemanden zu
arbeiten, den ihr nicht kennt, arbeitet von nun an füreinander.“ Angeführt von
oxwell in seiner Einleitung zur englischen Ausgabe des Buches von A. Menger:
as Recht auf den vollen Arbeitsertrag.