Kapitel III. Die Assozialisten.
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zwischen der sozialen und der heutigen Werkstatt, abgesehen von
ihrer mehr demokratischen Organisation, der ist, daß der Gewinn
des Unternehmers (im modernen Sinn des Wortes, d. h. der Gewinn
ohne Zinsen) den Arbeitern selbst zufällt.
Wir haben aber schon gesagt, daß die soziale Werkstatt nur
eine Keimzelle ist, aus der eine ganz neue Gesellschaft entstehen
soll. Die Kraft nun, die ihre Ausdehnung begründet, ist — eine
etwas belustigende Schlußfolgerung — gerade die Konkurrenz, die
für diesen Zweck zu einer „heiligen“ Konkurrenz wird (S. 106). „Es
handelt sich darum, sich gerade der Waffen der Konkurrenz zu be
dienen, um die Konkurrenz zum Verschwinden zu bringen“ (S. 108).
Das wird nicht schwierig sein, denn „die soziale Werkstatt hat
gegenüber jeder individualistischen Werkstatt den Vorteil, der sich
aus der Sparsamkeit des gemeinsamen Lebens und aus einer Organi
sationsmethode ergibt, in der alle Arbeiter ohne Ausnahme daran
interessiert sind, schnell und gut zu produzieren“ (S. 105). Überall
würden die Privatunternehmungen sich von ihr bedroht sehen. Die
Kapitalisten und Arbeiter werden von selbst ihre Aufnahme in die
soziale Werkstatt verlangen, um an ihren Vorzügen teil zu haben.
Dann wird nur noch übrig bleiben, alle sozialen Werkstätten, die
der gleichen Industrie angehören, in einen einzigen Bund zu ver
schmelzen. Jede große Industrie wird sich daher zum Schluß um
eine „zentrale Werkstatt gruppieren, von der alle anderen als Zweig-
Werkstätten abhängen“ (S. 107). Um das ganze Gebäude zu krönen,
würde es genügen „die Solidarität der verschiedenen Industrien zu
einem Dogma zu erheben“, so daß sie, anstatt sich zu bekämpfen,
sich gegenseitig zur Stütze werden, sich in Krisenzeiten gegenseitig
helfen, wenn es nicht gelingt, auf Grund ihrer Übereinstimmung die
Krisen überhaupt zum Verschwinden zu bringen, was ein noch be
merkenswerteres Ergebnis sein würde.
So würde also, allein durch die Kraft der Freiheit, die Herr
schaft der Konkurrenz durch die genossenschaftliche Ordnung zurück
gedrängt werden, und, je mehr die soziale Werkstatt ihre Wunder
verwirklicht, um so mehr werden die Übel der Konkurrenz ver
schwinden, wird das moralische und soziale Leben seine jetzigen
Mängel ablegen.
Was verlangt nun Louis Blanc, um zu diesem Ziel zu gelangen?
Sehr wenig, fast nichts! Eine kleine Schiebung! Regierungskapitalien,
UI1[1 die ersten Werkstätten zu schaffen und eine gesetzgeberische
Ordnung für sie, deren Anwendung die Regierung späterhin nur
n och zu überwachen hätte.
Das ist der Hauptpunkt der Lehre Louis Blanc’s, in dem sie
sich klar und deutlich von den Ideen Owen’s nnd Fouriee’s unter