Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Die  Assozialisten.

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eigenen  Zerstörung  zu  dienen;  oder  aber  die  Projekte,  die  man  ihr
unterbreitet,  sind  ohne  Gefahr  für  die  bestehende  soziale  Ordnung,
und  dann  liegt  gerade  in  der  Hilfe,  die  sie  ihr  leistet,  der  Beweis  ihrer
bescheidenen  Tragweite.  Dieser  Kritik  kann  der  Staatssozialismus
nicht  entgehen,  ausgenommen  er  erklärt  sich  klar  und  deutlich  als
konservativ,  und  das  hat  er  denn  auch  in  Deutschland  getan.
Louis  Blanc  beschäftigt  sich,  wie  später  Lassalle,  hauptsächlich ­
  mit  dem  sofortigen  Erfolge  und  bemerkt  diesen  Einwurf  nicht.
Er  denkt  an  einen  anderen  Vorwurf,  der  in  seinen  Augen  bedeutsamer ­
  ist,  denselben,  den  man  in  der  Folgezeit  den  Staatssozialisten
machen  wird,  und  er  sucht  ihn  durch  ein  Argument  zu  beseitigen,
das  sich  oft  bei  ihnen  wiederfinden  sollte.  Ist  die  Einmischung  des
Staates  nicht  im  Gegensatz  zur  Freiheit?  fragt  er  sich.  Ja,  antwortet
Louis  Blanc,  wenn  man  unter  Freiheit  ein  abstraktes  Recht  versteht, ­
  —  das  jedem  Menschen  durch  eine  Verfassung  zugesprochen
ist.  Hierin  liegt  die  Freiheit  aber  gar  nicht:  „sie  liegt  vielmehr  in
der  Macht,  die  den  Menschen  gegeben  ist,  seine  Fähigkeiten  auszuüben ­
  und  zu  entwickeln  unter  der  Herrschaft  der  Gerechtigkeit
u nd  unter  dem  Schutze  des  Gesetzes“  ’)  (S.  19).  Rechtliche  Freiheit
°hne  tatsächliche  Freiheit  ist  weiter  nichts  „als  eine  nichtswürdige
'Vergewaltigung“:  und  die  Freiheit  wird  tatsächlich  überall  dort
unterdrückt,  wo  der  Mensch  ohne  Bildung,  ohne  Arbeitsinstrumente
unentrinnbar  zur  Unterwerfung  gegenüber  den  Reicheren  und  Gebildeteren ­
  verdammt  ist.  Deshalb  wird  die  Einmischung  des  Staates
notwendig  sein,  solange  es  in  der  Gesellschaft  „eine  untere  und  unmündige ­
  Klasse“  gibt  (S.  20).  In  einer  noch  kräftigeren  Formel
sagt  Lacoedaiee:  „Zwischen  dem  Starken  und  dem  Schwachen  ist
die  Freiheit  das,  was  unterdrückt,  und  das  Gesetz  das,  was  frei
macht.“  Dieses  Argument  haben  wir  schon  bei  Sismondi  gelesen  2 ),
und  werden  es  bei  allen  Gegnern  des  laisser-faire  wiederfinden.
Man  sieht,  wie  schon  bei  Louis  Blanc  eine  geistige  Bewegung
uinsetzt,  die  im  letzten  Viertel  des  19.  Jahrhunderts  viel  stärker

')  „Das  Recht,  im  Abstrakten  betrachtet,  ist  ^  ^^Ichutz^derfür  das
das  Volk  täuscht.  Das  Recht  ist  der  metap  ysisc  j} as  „ ro ß ar tig  und  in
Volk  den  lebendigen  Schutz,  dem  man  ihm  sc  iu  e  ,  ®  ‘  ba t  nur  a i s  Maske
allen  Einzelheiten  in  den  Verfassungsurkunden  “ff^SuahsmuBund  für  die  bar-Gr
  die  ganze  Ungerechtigkeit  der  Einführung  seinem  Schicksa i  überlassen
Wische  Nichtachtung  gedient,  mit  der  man  A  R  ht  de fi n iert  hat,  ist  man  dazu
hat.  Weil  man  die  Freiheit  durch  dasiVortR  die  Heloten  des
««langt,  die  Sklaven  des  Hungers,  die  Leibeigenen  d  Freiheit
Zufalls  freie  Menschen  zu  nennen.  sondern  in  d«  dem  Menschen
nicht  nur  in  dem  zugesprochenen  Recht  besteht,  >g
gegebenen  Macht,  seine  Fähigkeiten  auszubilden  und  zu  entwickeln  (S.  19).
2 )  Vgl.  weiter  oben,  S.  211,  Anm.  1  und  S.  213,  Anm.  i.
            
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